Magazinrundschau
Speziell für Teenager-Mädchen zum Verweilen
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
25.08.2026. Iran heuert weltweit "billige Kriminelle" an, um Exil-Iraner zu bedrohen oder zu töten, berichtet der New Yorker. Eurozine erklärt, wie geschlechtersensible Stadtplanung funktioniert. Art Spiegelman im Guardian und Jan-Werner Müller im Merkur blicken auf die verheerende Zerstörung der Demokratie unter Trump. Bei Hlidaci Pes erinnert der tschechische Historiker Prokop Tomek an die Beteiligung der DDR am Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei. Und New Lines reist in eines der größten Ölfördergebiete Südsudans, eine wichtige Zufluchtsstätte für Sudanesen, in der das Wasser von giftigen Schwermetallen kontaminiert ist.
New Yorker (USA), 24.08.2026
Das iranische Regime attackiert seine Gegner auch mitten in Europa. Cora Engelbrecht erzählt die Geschichte der Mitarbeiter des oppositionellen Senders Iran International, der von London aus sendet. Dort wurde auch der Dissident Pouria Zeraati von drei Rumänen niedergestochen: "Der Angriff gegen Zeraati ist Teil einer größer werdenden Kampagne der iranischen Regierung, die beinhaltet, dass Kriminelle angeheuert werden - russische Gangster, Hells-Angels-Mitglieder oder sogar schwedische Teenager - um die Kritiker anzugreifen und Angst unter Exiliranern zu verbreiten. Weil diese Operationen sich der kriminellen Unterwelt bedienen, kann das iranische Regime jede Involviertheit bestreiten. 'Die Kriminellen sind billig und sie wissen, wie sie unauffällig bleiben', so Colin Clark, Executive Director des Soufan Centers, eines Global-Security-Thinktanks. 'Und den Iran scheint es nicht zu interessieren, ob diese Leute gefasst werden oder den Job nicht zu Ende bringen.' Selbst ein vereitelter Anschlag kann Angst in der Diaspora verbreiten. 'Manchmal geht es dem Terrorismus nicht um die Anzahl der Leichen. Es geht darum, wer zuschaut.'" Für die Mitarbeiter des Senders bedeutet das ein Leben im Risiko: "Um sie gegen Terrorangriffe zu schützen, schreibt der Newsroom-Chef Aliasghar Ramenzanpour die Dienstpläne jede Woche neu. Er ändert die Zeiten, zu denen die Sendungen aufgenommen werden. Die Journalisten treffen sich selten außerhalb der Bürozeiten, abgesehen von einer jährlichen Feier, die von bewaffneten Guards geschützt wird. Solche Sicherheitsmaßnahmen tragen nicht zu einem aktiven Sozialleben bei. Eine vierzig Jahre alte Nachrichtensprecherin erzählte mir, es sei zu riskant, irgendjemanden zu treffen, den sie nicht schon kannte. 'Ich habe akzeptiert, dass ich in diesem Leben keine romantischen Beziehungen eingehen können werde.'"New Lines Magazine (USA), 24.08.2026
Buster Kirchner reist in die Stadt Rotriak im Südsudan: Der Ort ist eine wichtige Zufluchtsstätte, weil er auf höherem, trockenem Boden liegt und so Schutz bietet vor den seit 2021 stark zunehmenden Überschwemmungen in der Region. Aber die Flutvertriebenen, die sich hier versammelt haben, stehen vor einem weiteren Problem berichtet Kirchner, bei dem sie von der Regierung völlig im Stich gelassen werden. Der Ort liegt mitten im Unity-Ölfeld, einem der größten Ölfördergebiete Südsudans. Bei den "sintflutartigen Regenfällen" in der Region um Rotriak wurden alte, stillgelegte Ölfelder überschwemmt, erklärt der Autor, das Wasser, dass sich in den so entstandenen Sumpfgebieten ansammelt, enthält nachweisbar eine hohe Konzentrationen an giftigen Schwermetallen und Petrochemikalien: "Giftige Schadstoffe aus diesen überfluteten Brunnen verunreinigen das Trinkwasser und sind vermutlich die Ursache für eine sich verschärfende Gesundheitskrise für Tausende von Familien in und um Rotriak. Immer mehr Kinder kommen mit Geburtsfehlern zur Welt, von Gliedmaßenfehlbildungen und Spina bifida - einer schweren angeborenen Fehlbildung der Wirbelsäule - bis hin zu kognitiven Entwicklungsverzögerungen." Fährt "man nordwärts durch das Unity-Ölfeld, nimmt die Industrielandschaft allmählich Gestalt an. Rostige Bohrköpfe ragen aus dem Gras. Pipelines verlaufen entlang der unbefestigten Straße. Abwasserteiche liegen hinter niedrigen Erdwällen, während Stacheldrahtzäune und weiße Schilder der GPOC den flachen Horizont unterbrechen. Dann, fast ohne Vorwarnung, tauchen zwischen den Anlagen Häuser, Marktstände und Kinder auf. In Rotriak scheinen Dorf und Ölfeld ein und dasselbe Gebiet zu bewohnen. Hier glauben Fischer, dass Fische, die in der Nähe bestimmter Ölfelder gefangen werden, kontaminiert sind. Diese Fische sind dunkler, weicher und werden daher auf dem lokalen Markt zu niedrigeren Preisen verkauft. Hirten berichten von unerklärlichen Todesfällen ihrer Tiere, nachdem diese aus überfluteten Weideflächen getrunken haben (...)."Eurozine (Österreich), 24.08.2026
"Der urbane Raum war nie geschlechtsneutral", ruft Jovana Božović. Städte wurden nach den Bedürfnissen von Männern erbaut und diese Strukturen sorgen immer noch für Hindernisse im Alltag von Frauen. Das größte Problem für Frauen ist immer noch die Sicherheit, erklärt Božović, und das weltweit: In "Japan ist sexuelle Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Nahverkehr so weit verbreitet, dass es sogar einen eigenen Begriff dafür gibt: Chikan", im Kosovo ergab eine Studie des Kollektivs "Sestre, drugarice" ("Schwestern, Freundinnen"), dass 64 Prozent der Frauen im öffentlichen Raum schon einmal sexuell belästigt wurden, 58 Prozent davon minderjährig. Aber: Manche Städte haben schon wichtige Schritte getan, was die "geschlechtersensible Stadtplanung" angeht: "Die schwedische Stadt Umeå, die weithin als 'feministischste Stadt' der Welt gilt, berücksichtigt bei ihrer gesamten Stadtplanung die Geschlechtergerechtigkeit. 2019 wurde in der Stadt eine geschlechtersensible Bushaltestelle als Prototyp errichtet, um den Sicherheitsbedenken von Frauen im öffentlichen Nahverkehr Rechnung zu tragen. Akustische und optische Signale weisen auf die Ankunft des Busses hin, während drehbare Holzkabinen die Sicht verbessern, die Überwachung der Umgebung ermöglichen, Schutz vor Wind und Witterungseinflüssen bieten und ein Gefühl der Sicherheit im öffentlichen Raum schaffen. Darüber hinaus hat Umeå weitere feministisch inspirierte städtebauliche Maßnahmen ergriffen, darunter Bänke, die in Zusammenarbeit mit und speziell für Teenager-Mädchen zum Verweilen einladen; gut beleuchtete unterirdische Fußgängertunnel mit großen zentralen Ein- und Ausgängen sowie abgerundeten Wandecken für bessere Sicht; die Priorisierung des Winterdienstes nach Geschlecht, da Frauen häufiger zu Fuß gehen und öffentliche Verkehrsmittel nutzen; und die Räumung von Gehwegen und Haltestellen vor den Straßen. Zusätzlich organisiert die Stadt eine 'Gendered Landscape'-Tour, die bestehende feministische städtebauliche Maßnahmen mit denjenigen verbindet, die noch notwendig sind, um die Stadt wirklich zu einem Ort für alle zu machen. All dies wird durch Bildung, Forschung, die Integration von Geschlechterperspektiven in Daten zur städtischen Mobilität, das Engagement für die gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen an der Pflege und die aktive Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen unterstützt."Guardian (UK), 18.08.2026

Merkur (Deutschland), 04.08.2026
Auch Jan-Werner Müller zeichnet den immensen Schaden nach, den Trump in seiner zweiten Amtszeit der Demokratie in den USA zugefügt hat. Nie gab es eine so offensichtlich korrupte Regierung: "Eine Theorie aus dem Deutschland Ende der 1930er Jahre hilft beim Verständnis der neuen Realität - und wird auch zunehmend von amerikanischen Kommentatoren aufgegriffen: Ernst Fraenkels 'Doppelstaat' (hier geht's zum Buch), entwickelt, um die rechtlichen (und unrechtmäßigen) Zustände im 'Dritten Reich' begrifflich zu ordnen. Vieles bleibt ganz normal: Man schließt Verträge ab, heiratet, lässt sich scheiden. Aber neben dieser Normalität - die so ganz dem Bild von totaler Intransparenz, Unvorhersehbarkeit oder gar Chaos in autoritären Regimen widerspricht - lauert immer der Maßnahmenstaat, der an jeder Legalität vorbei brutalst in die Gesellschaft eingreifen kann. Und dann lernen die dem Staat Ausgelieferten, dass es eben keine Abhilfe, keinen Rechtsstaat mehr gibt. In den USA kann es schon ausreichen, die ungeheure Macht der Bundesregierung auf Einzelne zu richten - und sie mittels langwieriger, enorm kostspieliger Prozesse zu ruinieren. Kein Land gibt so viel Geld für Rechtsstreitigkeiten aus (und gleichzeitig rangiert man bei den Indizes für access to civil justice hinter Afghanistan). Das kann Teil der Vergeltung sein, auch wenn die Prozesse keinerlei Aussicht auf Erfolg haben. Nun ist der Rechtsstaat in den USA nicht einfach verschwunden. Die Regierung verliert Prozesse; ihre Gegner haben inzwischen zudem gelernt, dass es hilfreich sein kann, manche Verfahren in die Länge zu ziehen (so wie dies Trump zum Selbstschutz schon immer getan hat). Aber es sind immer mehr Fälle bekannt, in denen die Regierung einem Urteil schlichtweg nicht folgt."Novaja Gazeta Europe (Russland / Lettland), 21.08.2026
Dekoder (Deutschland), 20.08.2026
Laut russischem Recht gibt es aller Sowjetisierungs- und Russifizierungsversuche zum Trotz 47 indigene Völker, schreibt Goworit Nemoskwa auf ihrem Blog (von Jennie Seitz und Ruth Altenhofer ins Deutsche für Dekoder übersetzt). Eines davon sind die Samen, die gegen alle Widerstände des gegenwärtigen Russlands ihre Kultur bewahren wollen. Die Samen leben als halb-nomadisches und transnationales Volk in vier Staaten: Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. "Ihre Geschichte ist geprägt von Kolonialisierung, in deren Folge die Samen immer weiter nach Norden zurückgedrängt wurden. Aber vor Alexander Newski", Fürst von Nowgorod und von Stalin als wahrer Imperialist verehrt, "konnten sie nicht fliehen. Im Jahr 1251 schloss Newski einen Pakt mit Norwegen, der es sowohl Weliki Nowgorod als auch dem Königreich Norwegen ermöglichte, einen festen Zoll von den 'Lappen' zu erheben - fünf Eichhörnchenfelle pro Jäger. 'Wir selbst bezeichnen uns als Samen, von anderen werden wir 'Lappen' genannt - ein abwertendes Wort für unser Volk. Als wären wir schmutzig und würden am Rande der Welt leben. Wir Samen haben keine Landesgrenzen. Wir sind ein Volk, das kraft historischer Ereignisse durch Grenzen getrennt wurde. Wir waren schon vor der Entstehung der Staaten hier und werden auch weiterhin als ein gemeinsames Volk in unserer Heimat leben, die wir Sápmi nennen. Und natürlich nicht Lappland'", erzählt der von vielen russischen Medien so genannte 'samische Navwalny' Andrej Danilow, der lange Zeit Aktivist für die Rechte von Samen in Russland war, bis er sich nach Beginn des Ukraine-Krieges 2022 dazu entschloss nach Norwegen ins Exil zu gehen. Die verbliebenen Samen in Russland sind jetzt Vorwürfen des Separatismus ausgesetzt. Danilow: "'Separatismus - so ein Unsinn. Ich sag's noch einmal: Wir sind ein friedliebendes Volk. Wir bestehen seit Jahrtausenden und werden noch Jahrtausende bestehen, weil wir unsere Strategie haben. Wir haben eine eigene Methode, unsere Rechte zu verteidigen, wir berufen uns auf die Gesetze des Staates, in dem wir leben. Auch wenn diese Gesetze und sogar die Staaten sich ändern. Das moderne Norwegen gibt es erst seit 1905, aber wir waren immer schon hier, ohne Abspaltung, ohne Kampf, haben nur unsere Rechte und Länder behauptet. Vielleicht gibt es uns deswegen noch, trotz unserer geringen Zahl hier im hohen Norden.'"London Review of Books (UK), 25.08.2026

HVG (Ungarn), 20.08.2026
"Bitte tretet nicht rückwärts", ruft die Medienwissenschaftlerin Veronika Kövesdi ungarischen Künstlern zu. Statt der abgewählten Regierung irgendwelche Parolen hinterherzuwerfen, gelte es in die Zukunft zu schauen: "Nicht jeder beliebte Künstler muss eine politische Meinung äußern. Wer dies jedoch bisher getan hat, sollte jetzt nicht damit aufhören. In den letzten Jahren haben sehr viele junge Menschen aufmerksam verfolgt, was mit dem Land geschieht, und das ist eines der besten Dinge, was passieren konnte. Es wäre schade, ihre Aufmerksamkeit zu verlieren. Ein Musiker, sprach sich vorher oft und entschieden gegen das Orbán-Regime aus, bereits als es noch etwas zu verlieren gab, und tat dies auch jetzt auf dem Sziget-Festival. Allerdings ist es nicht sicher, ob es die beste Fortsetzung war, dass er zu seinem Publikum sagte: 'Wer nicht tanzt, ist ein Fidesz-Anhänger.' Zugegeben, von der Bühne aus, zwischen zwei Songs, klingt der Satz 'Wer nicht tanzt, kann seinen eigenen politischen Standpunkt nicht formulieren, ohne den Namen einer Partei oder eines Politikers zu erwähnen' weniger gut. Auch der Unterhaltungswert von 'Bringt die Hochschulbildung in Ordnung!' ist wesentlich geringer, und ich glaube, dass diese Sätze vielleicht gar nicht so recht zu dem sorgfältig ausgearbeiteten Image eines Künstlers passen. Aber nur weil ich bei einem Konzert wie Bileams Esel dastehe, weil mir die Musik nicht so gut gefällt, dass ich dazu tanzen würde, bin ich noch lange kein Fidesz-Anhänger. (…) Denn das ziellose und ergebnislose 'Orbán-Bashen' betrachte ich als eine interessengeleitete und gewinnorientierte Ausnutzung der Aufmerksamkeit. Wir haben gerade erst begonnen, uns aus jenem Sumpf der öffentlichen Debatten herauszuwinden, in dem man nicht argumentieren, sondern nur fluchen oder loben konnte. Ich verstehe, dass damit noch eine Weile Geld zu verdienen ist (…)."Elet es Irodalom (Ungarn), 19.08.2026
Selten hat (auch) in Ungarn eine filmische Adaptation so kontroverse Debatten ausgelöst, wie Christopher Nolans "Odyssee"-Verfilmung (unsere Resümees), berichtet János Széky: "Nach dem, was in meinem engeren und breiteren Bekanntenkreis zu hören war, beruhte die Skepsis (...) darauf, dass 'es nichts mit Homer zu tun hat'. Was ich in diesem Fall so übersetzen würde: 'Es hat nichts mit dem zu tun, was wir von einer Adaption der Odyssee erwarten'." Der Historiker György Karsai, ein ausgewiesener Homer-Fachmann, antwortete präzise: "'Die neue 'Odyssee' vermittelt die Botschaft, dass die westliche Zivilisation am Ende ist. (…) 'Wir waren blind für ihre Schönheit', sagt Odysseus in der Nolan-Version. (…) Im Film fürchtet Penelope den Einfall der Seevölker, doch dann wird Odysseus sich dessen bewusst und gesteht gemäß der Hypothese der Geschichtsschreibung des 21. Jahrhunderts: 'Die Seevölker sind wir.' (…) Die 'umherirrenden Piraten', die auch in einer der Geschichten des heimkehrenden Odysseus vorkommen, waren gezwungen, ihren damaligen Wohnort zu verlassen, weil mehrere sich gegenseitig verstärkende Faktoren in einem 'perfekten Sturm der Katastrophen' zusammenwirkten: Erdbeben, innere Aufstände, Invasionen, der Zusammenbruch zentralistischer politisch-wirtschaftlicher Systeme, Epidemien, Klimawandel, Dürre. (…) Wie man sieht, lässt sich im Jahr 2026 einiges von der obigen Liste abhaken, wenn auch auf einer ganz anderen Ebene. (…) Nolan hatte eine verdammt schwere Aufgabe, wenn er das Drama des Untergangs einer Zivilisation in knapp drei Stunden unterbringen wollte. Doch die Ablehnung gegenüber seinem Film rührt wohl größtenteils daher, dass wir es hassen, darüber nachzudenken, wie instabil und wie unfähig zur Selbstverteidigung die westliche Zivilisation ist, auf die wir so stolz sind. Träum schön. Irgendwo in San José oder Wuhan schlägt ein Schmetterling mit den Flügeln."Hlidaci pes (Tschechien), 20.08.2026
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