Szenen aus dem religiösen Leben.
Sarah Mullally, die Erzbischöfin von Canterbury und erste Frau, die je zum Oberhaupt der anglikanischen Kirche gewählt wurde, übergibt ihrem muslimischen Amtskollegen
Hafiz Tahir Ashrafi aus Pakistan einen Preis für religiöse Versöhnung. Er erschien zu diesem feierlichen Anlass am 11. September (sic) mit seiner Frau an seiner Seite.
Mouhanad Khorchide, als Sohn palästinensischer Flüchtlinge im Libanon geboren, in Riad aufgewachsen und heute österreichischer Staatsbürger, ist
Leiter der ersten eigenständigen Fakultät für Islamische Theologie an einer deutschen Universität (Münster), lehrt tatsächlich einen liberalen,
auf Versöhnung ausgelegten Islam. Er bekommt dafür allerdings keine Preise, sondern muss mit permanentem
Polizeischutz leben. "Ich mache das für die Muslime", erklärt er im ganzseitigen Interview mit der
Zeit: "Es gab zwar immer Verlage oder Zeitungen, die mir anboten, destruktive Texte zu schreiben über sämtliche Defizite des Islams. Die wollten, dass ich meine Religion in die Pfanne haue. Aber das lehne ich ab. Am meisten stört mich die
apologetische Haltung vieler Islamtheologen, das Bedürfnis, anderen zu beweisen, wie toll wir sind. Ich benutze auch nicht den Begriff 'antimuslimischer Rassismus', weil er inzwischen ein
Kampfbegriff der Islamisten ist, um die ganze Gesellschaft zu stigmatisieren als Täter. Ich bin enttäuscht, wenn Wissenschaftler da mitmachen." Einfach kann seine Arbeit in Deutschland nicht sein. Viele seiner Studenten "sind sozialisiert in den Verbänden. Da sitzen Erstsemestler, und ich lese in ihren Augen den Verdacht: Der will
unsere Religion kaputt machen."