Fälschung und Fabelei seit der Antike. Eine Typologie
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406843242 Gebunden, 603 Seiten, 38,00
EUR
Klappentext
Mit 21 Schwarzweißabbildungen und 18 Farbabbildungen in einem Tafelteil. Fake News sind eine Erfindung moderner Autokraten und irrlichternder US-Präsidenten? Keineswegs! Schon in der Antike wurden Geschichte und Tatsachen zurechtgebogen und geklittert, um das eigene Weltbild zu untermauern, Gegner zu diffamieren oder sich selbst zu legitimieren. Vom Perserreich bis zu den römischen Kaisern, von Homer bis in die christliche Spätantike spannt Alexander Demandt, der Großmeister der Alten Geschichte, seine ebenso kluge wie unterhaltsame Darstellung der zahlreichen Fälle von Geschichtsfälschung in der Antike und darüber hinaus. Römer und Griechen legten sich alle möglichen Gründe zurecht, um ihre grausamen Kriege im nachhinein zu rechtfertigen. Etliche Könige und Herrscher wie Julius Caesar propagierten, sie würden in direkter Linie von Göttern abstammen. Für Constantin den Großen stand es außer Frage, daß er seinen Sieg bei der Milvischen Brücke dem Beistand des christlichen Gottes zu verdanken hatte. Selbstscheinbar objektive Quellen aus der Antike zeichnen immer ein ganz bestimmtes Bild von Personen und Ereignissen. Die historische Wahrheit dahinter aufzudecken ist für uns heute oft gar nicht mehr so einfach. Doch wer sich in diesem Buch gemeinsam mit Alexander Demandt auf Spurensuche begibt, der lernt bald, genauer hinzusehen, und erkennt selbst, wo, wie und weshalb Geschichte zu allen Zeiten phantasievoll geklittert und gefälscht wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2026
Angeregt besprochen wird Alexander Demandts neues, umfangreiches Buch von Rezensent Uwe Walter. Demandt geht darin auf ein Thema ein, das ihn schon lange umtreibt, nämlich die Art und Weise, wie Geschichte als Argument verwendet werden kann und wird. Um das zu zeigen, greift er zwar in der Tat, wie der Untertitel des Buches verspricht, Beispiele aus allen Epochen auf, wobei der Althistoriker Demandt sein eigenes Fachgebiet doch in den Vordergrund stellt, besonders oft beschäftigt er sich mit antiken historischen Argumenten um Figuren wie Konstantin und Cleopatra. Insgesamt sind es wirklich ausgesprochen viele Beispiele, staunt Walter, die Demandt für seine "Systematik der zweckgebundenen Verwendung von Geschichte" auffährt. Thematisiert werden dabei nicht nur Praktiken der Geschichtsfälschung, sondern auch metaphorische oder symbolische Geschichtsausdeutungen. Ein zentraler Begriff bei Demandt ist Prägnanz - die hergestellt wird, indem die Geschichte in kleine Einheiten zerlegt und mit diversen Methoden der Bedeutungsanreicherung wie Vereinfachung und Harmonisierung angereichert wird. Keine Rolle spielt in diesem laut Rezensent angenehm jargonfreien Buch hingegen der Begriff "Diskurs", was Walter freut, dem wichtig ist, dass Demandts durchweg interessantes Buch keineswegs die Idee einer historischen Wahrheit hintertreiben will.
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