Eine der geschlechtlichen Nötigung eines Patienten beschuldigte ehemalige Nervenärztin findet ein altes Foto: Es zeigt sie als junge Frau gemeinsam mit ihrer Schwester an einem Hotelpool in Luxor. Überwältigt von den Erinnerungsbildern beschließt die Frau, ihrem während jener Reise verschwundenen Geliebten die verheimlichte Wahrheit schriftlich nachzutragen. Ihre Briefe geraten zu einer Art Lebensbeichte. Hinter der Fassade des früh gealterten Mädchens aus angeblich gutem Haus tun sich Abgründe auf: Aus Loyalität zur Mutter und zur freudlosen Schwester sabotiert sie das Glück, scheitert systematisch in Freundschafts- und Liebesdingen - und macht sich am Ende sogar im Namen der Liebe schuldig.Im Vermächtnis der inzwischen Verschollenen finden sich neben den Briefen etliche Notizen, Beobachtungsprotokolle, Traumnotate und Gedächtnisstützen. Sie ergänzen das Bild einer von Heuchlern und Neidern um ihr Gesicht Gebrachten, die getrieben ist vom Wunsch, erkannt zu werden.Letztlich scheitert sie an ihrer vergeblichen Hoffnung auf Gnade und Vergebung, fälscht ihre Online-Profile, belügt ihre Astrologin - und füllt ihren Kühlschrank mit sündteuren Delikatessen, um der Nachwelt ein Leben vorzugaukeln, das sie nie geführt hat.
Anna Baar hat eine spannende, "sprachmächtige" Herausgeberfiktion geschrieben, staunt Kritiker Carsten Hueck: Im Prolog gibt der Erzähler zu verstehen, ihm sei ein Koffer mit Briefen und Dokumenten von Elda Vera vor die Tür gestellt worden, der Frau, um die es geht. 2020 habe sie ihren Job verloren, weil sie ihren Patienten im Krankenhaus zum Sex gezwungen habe, berichtet der Erzähler, von da an sei es bergab gegangen, wovon Hueck in Erzählsprüngen liest. Das Verwirrspiel wird perfekt, wenn der Erzähler bekennt, Anna Baar habe ihren Namen als Autorin für ihn zur Verfügung gestellt, für Hueck macht das Spiel den Blick darauf frei, was die Figur Elda zwischen Wahrheit und Wahn mit sich herumträgt. Einerseits ist sie als Ärztin erfolgreich, andererseits traumatisiert von ihren Eltern und immer auf der Suche nach Liebe, die sie nicht kriegt, liest der Rezensent in den Briefen, die sie geschrieben hat. Zunehmend entgleitet ihr die Welt, Schmerzmittel und Alkohol ersetzen den menschlichen Kontakt, sie bewegt sich zwischen "verirrter Seele" und "wortmächtiger Hasserin" à la Thomas Bernhard, eine enigmatische und dreckig glitzernde Figur, wie Hueck findet, den sie auch an Ingeborg Bachmanns "Marina" erinnert. Er lobt das Buch als Literatur, die ihre eigenen Spiele, Motive und Möglichkeiten feiert.
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Ingo Schulze: Das Wasser im August Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler nach Mecklenburg. Eine Landschaft mit weitem Horizont und Wolken, die tief über die Seen ziehen.…