Cyberpunk
Das neue totalitäre System

C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406853128
Kartoniert, 137 Seiten, 16,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Stephanie Singh. Asma Mhalla beschreibt die politischen Entwicklungen unserer Zeit: Ein hybrides, technopolitisches Regime ist am Werk, das einerseits eine große Show inszeniert, während im Hintergrund das System programmiert wird. Sein Einfluss breitet sich still und leise global aus, gestaltet die Demokratie um und kolonisiert Körper wie Geist. Um den aktuellen Verfall der liberalen Demokratie zu verstehen, hilft laut Mhalla kein Rückgriff auf die 1920er- und 1930er-Jahre. Stattdessen führt sie uns in die dystopische Welt der Science-Fiction: in stahlharte technologische Gehäuse, in denen desillusionierte Individuen durch apokalyptische Städte irren und von hochzentralisierten Autoritäten mittels KI-Systemen gesteuert werden. Blade Runner und Matrix lassen grüßen.
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Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.08.2026
Interessiert, wenn auch nicht komplett überzeugt liest Rezensent Jannis Brühl Asma Mhallas Buch. Die französische Star-Theoretikerin greift in ihrer aktuellen Schrift auf den aus den 1980ern und 1990ern stammenden Begriff "Cyberpunk" zurück, um unsere Gegenwart zu erklären. Konkret geht es um die Melange aus Technik und Macht, wie sie das Bündnis von Donald Trump und Elon Musk exemplifiziert, und allgemeiner um einen Trend zur Beschleunigung und Verflüssigung aller sozialen Strukturen unter autokratischen Vorzeichen. Was dagegen tun? Mhalla setzt nicht nur auf Widerstand gegen Konzerne, sondern auch auf neue Körperpolitik, sprich: mehr Sex. Das ist alles flüssig und eingängig geschrieben, findet Brühl, der allerdings nicht ganz mitgehen will, wenn Mhalla Trump mit Hitler gleichsetzt, auch Passagen über drohende kollektive Umerziehung in sogenannten "Neurocamps" erscheinen ihm etwas alarmistisch. Gleichwohl scheint der Rezensent durchaus den Eindruck zu haben, dass dieses Buch etwas an unserer Gegenwart zu fassen bekommt.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 07.08.2026
Rezensent Hanno Rehlinger gesteht sich ein, dass Asma Mhalla mit ihrem Buch über den neuen hypermodernen Faschismus eher auf Probleme hinweist als sie zu lösen. Als Manifest taugt der Band laut Rehlinger allerdings gut. "Wortgewaltig" beschreibt die Autorin laut Rehlinger den Schulterschluss von Staat und Tech und unsere Abhängigkeit von Sozialen Medien, Suchmaschinen und KI. Auch wenn Mhalla nichts Neues über diese neue Herrschaft berichtet, entdeckt Rehlinger spannende Einzelheiten, die Mhalla in prägnate Formulieren gießt. Dass Rehlinger das Buch stellenweise wie einen Sci-Fi-Thriller liest, liegt wohl auch daran, dass wir uns längst an die neue Ordnung gewöhnt haben, mutmaßt der Rezensent selber. Wenn Mhalla am Schluss des Buches versucht, einen Lösungsansatz zu formulieren, erscheint dem Rezensenten das "kraftlos".
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 14.07.2026
Fulminant und beängstigend ist das, findet Rezensent Jakob Hayner, was Asma Mhalla, Star der französischen Politikwissenschaft, über unser aller Zukunft aufschreiben. Cyberpunk ist laut Mhalla nicht länger ein literarisches Genre, sondern schlicht die Welt, in der wir leben. An Hannah Arendt, Baudrillard, aber auch neuere Autoren wie Hito Steyerl und Shoshana Zuboff anschließend, argumentiert Mhalla, dass ein antipolitisches Bündnis aus Big Tech und Big State die Welt im Griff hat, Algorithmen machen die Bevölkerung gefügig, Profiteure sind eine kleine Elitekaste. So etwas altmodisches wie Gedankenpolizei braucht es gar nicht, da die Technik eh alle gleichschaltet. Gibt es noch Hoffnung? Sicher nicht in der europäischen Politik, glaubt die Autorin, die ihren Lesern stattdessen "tägliche Übungen kognitiver Hygiene" anempfiehlt. Hayner kann mit der Argumentation und erst recht dem forschen Schreibstil dieser Streitschrift einiges anfangen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.07.2026
Vera Linß liest den Essay der Politikwissenschaftlerin Asma Mhalla als eine Art aufrüttelnde Schocktherapie, der man sich unterziehen sollte. Laut Linß könnte das im besten Fall zu mehr Resilienz beim Leser gegen Demokratieverlust und digitale Allmacht führen. Linß selbst fällt beim Lesen von einem Schock in den nächsten, macht ihr die Autorin doch zunächst nicht viel Hoffnung. Für Mhalla ist der Umbau der Gesellschaften zu antidemokratischen Techdiktaturen bereits weit fortgeschritten. Die Autorin illustriert das mit Hilfe von Elementen aus dem Cyberpunk und Bezugspunkten wie "Blade Runner" und "1984". Dass am Schluss des Bandes doch noch Vorschläge für eine bessere Welt stehen, empfindet Linß als große Erleichterung.