Boualem Sansal

Die Legende

Freie Meditationen eines unbequemen Gefangenen
Cover: Die Legende
Merlin Verlag, Gifkendorf 2026
ISBN 9783875363586
Gebunden, 216 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Vincent von Wroblewsky. Am 16. November 2024 wurde der algerische Schriftsteller und Friedenspreisträger Boualem Sansal am Flughafen in Algier verhaftet. Erst ein paar Tage später bestätigten algerische Behörden seine Festnahme. Das Regime warf ihm vor, die "Existenzberechtigung der algerischen Nation" sowie der historischen Grenzen in Frage gestellt zu haben. Trotz zahlreicher internationaler Proteste wurde Boualem Sansal im März 2025 wegen einer Meinungsäußerung in Algier der Prozess gemacht. In Abwesenheit seines Verteidigers wurde er zu einer Geldbuße und einer Gefängnisstrafe von 5 Jahren verurteilt. Nachdem der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den algerischen Präsidenten Abdelmajid Tebboune am 10. November um Gnade für den deutschen Friedenspreisträger (2011) bat, wurde Boualem Sansal am 12. November 2025 vom algerischen Staatspräsidenten begnadigt und nach Deutschland ausgeflogen. In diesem Buch berichtet Boualem Sansal davon, wie er die Inhaftnahme, seine Gefangenschaft in verschiedenen Gefängnissen und die Gerichtsprozesse in Algerien erlebte. Von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten gelangten Informationen über die weltweiten Aktivitäten zu seiner Unterstützung vor allem über Mitgefangene zu ihm. Sie gaben ihm in der Hoffnung auf ihre eigene Freilassung den Namen "Die Legende". Erst nach seiner Freilassung entdeckte Boualem Sansal, in welcher Weise sein "Fall" und seine Person auch außerhalb Algeriens zu einer politisch motivierten Legendenbildung geführt hatten. Sansals Meditationen sind zugleich Liebeserklärung, Abrechnung und Befreiungsschlag.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.09.2026

Wie Boualem Sansal in seinem sehr schnell geschriebenen Buch das Gefängnis beschreibt, erscheint dem Rezensenten Stefan Brändle geradezu überwältigend, auch weil es so präzise ist: Das Gefängnis, dessen psychologische Tücke gerade darin besteht, dass sich die Gefangenen permanent trügerische Hoffnungen machen, das Gefängnis, das natürlich ein Sinnbild des ganzen Landes Algerien ist, welches sich aus der tödlichen Umklammerung von Regime und Islamismus nicht mehr befreien kann - hier brilliert Sansals Bericht, und Brändle ist nach der Lektüre durchaus auch bereit, Sansals Diagnose über den Islamismus zuzustimmen, der sich wie die Betonplatte von Tschernobyl über die ganze Welt zu legen drohe. Die letzten vierzig Seiten des Buchs, in denen Sansal über seine Rückkehr nach Paris und seinen Weggang von seinem langjährigen Verlag Gallimard schreibt, überzeugen den Rezensenten dagegen nicht: Hier wirkt es auf ihn, als fühle sich der Autor in der Defensive. In dem Moment, wo 200 Autoren den Verlag Grasset verließen, nahm er, Sansal, das großzügige Angebot von dessen Besitzer Vincent Bolloré an, einem rechtsradikalen katholischen Fundamentalisten und Milliardär, der kräftig in der französischen Politik mitmischt. Dafür kann sich Sansal nach Brändle nicht überzeugend rechtfertigen.

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Ingo Schulze. Das Wasser im August - Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2026.Ingo Schulze: Das Wasser im August
Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler nach Mecklenburg. Eine Landschaft mit weitem Horizont und Wolken, die tief über die Seen ziehen.…