Colin Barrett

Wilde Häuser

Roman
Cover: Wilde Häuser
Steidl Verlag, Göttingen 2025
ISBN 9783969994931
Gebunden, 256 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Claudia Glenewinkel und Hans-Christian Oeser. Es ist das wichtigste Wochenende des Jahres. Während sich Ballina im Westen Irlands auf ein großes Fest vorbereitet, verschwindet Doll English nach einem Streit mit seiner Freundin Nicky spurlos von einer Party. Sketch und Gabe Ferdia, Kleinstadt-Gauner mit einem Hang zu roher Gewalt, haben den Jugendlichen entführt. Dessen älterer Bruder, der örtliche Dealer Cillian hat seine Schulden nicht bezahlt. Ihr Cousin Dev scheint den Ferdias der ideale Gastgeber für die Geiselnahme zu sein, denn der sanftmütige Riese führt in ländlicher Abgeschiedenheit ein Leben unter dem Radar. Dev wird zum unfreiwilligen Komplizen, doch ausgerechnet er, die personifizierte Untätigkeit, ist Dolls beste Chance zu überleben. Auch Nicky wird in den Rachefeldzug hineingezogen. Verkatert und voller dunkler Vorahnungen macht sie sich auf die Suche nach ihrem Freund. Wie Dev muss sie, um Doll zu retten, eine Entscheidung treffen. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.09.2026

Colin Baretts Debütroman ist nervenaufreibend wie ein guter Krimi, hält Rezensentin Eva Schäfers fest: Im Nordwesten Irlands spielt die mit Cliffhangern und Zeit- und Ortswechseln spielende Geschichte um perspektivlose junge Männer, die sich in Gewalt und Rausch verlieren. Barett erzählt unglaublich atmosphärisch, findet Schäfers: "Reifen, die langsam über Kies rollen", erzeugen "Luftfoliengeknister", die ängstlich-bleiche Haut eines Jungen erinnert an "bläulich schimmernde Milch", alles erzeugt Angst und Unbehagen, lobt sie. Den Plot beschreibt sie so: Cillian nimmt und verkauft Drogen, verliert dann aber einiges von seinem Vorrat. Das ist deshalb ein Problem, weil es eigentlich gar nicht sein Stoff ist, sondern der seines Bosses, der daraufhin die Brüder Sketch und Gabe Ferdia mit der Entführung von Cillians Bruder Doll beauftragt. Interessant ist für die Kritikerin, dass Barett nun die Perspektive von Dev Hendrick einnimmt, in dessen Haus Doll versteckt wird und der selbst nicht unbedingt auf der Gewinner-Seite im Leben steht. Ihr gefällt, wie der Autor die Frage stellt, weshalb Dev sich überhaupt auf solche Aktionen einlässt, ohne zum "schlaumeierischen Erzähler" zu werden: die Leser müssen das Rätsel selbst lösen, anstatt es vorgekaut zu bekommen, warnt sie. Auch die gelungene Übersetzung von Claudia Glenewinkel und Hans-Christian Oeser findet das uneingeschränkte Lob der Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.01.2026

"Geschickt und spannungsreich" erzählt Colin Barrett die Geschichte zweier Jungen im Drogenmilieu in Westirland, versichert Rezensent Hans von Trotha. Barrett ist eigentlich bekannt und gefeiert für seine Kurzprosa, hier beweist er, dass er auch die lange Form beherrscht. Es geht um Dev Hendrick, der einsam mit seinem Hund in einem Haus wohnt, und den Teenager Doll English, der bei ihm Zuflucht sucht, wie wir lesen. Die Handlung kreist um die titelgebenden "Wilden Häuser", in denen sich Kriminelle und Drogenabhängige tummeln. Eine "brutale Welt", in die der Autor seine Figuren schickt, gespickt von "Trauma und Einsamkeit", verrät der Kritiker. Aber Barrett überzeugt den Kritiker mit seinen "markanten Charakterstudien" und atmosphärischen Schilderungen des düsteren irischen Kleinstadt-Milieus. Der Sprung von Erzählung zu Roman gelingt Barrett jedenfalls mühelos, freut sich Trotha. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2026

Rezensentin Maria Wiesner liest sich fest in Colin Barretts Debütroman, der wie Barretts Erzählungen im Milieu der Kleinkriminellen spielt. Es geht knapp gefasst um den schweigsamen Dev und ein paar Unruhestifter, die sich mit einem Entführungsopfer bei ihm einnisten. Die in der westirischen Provinz spielende Story überzeugt Wiesner vor allem, da es dem Autor gelingt, sich auf die menschlichen Schicksale und die moralischen Dilemmata darin zu konzentrieren. Die Probleme der beiden Hauptfiguren kann der Text laut Wiesner "glaubhaft" ausleuchten.

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