Aus dem Englischen von Andreas Jäger. Der forensische Psychologe Dr. Philip Taiwo ermittelt wieder in seiner Heimat Nigeria: Bischof Jeremiah Dawodu ist das wohlhabende Oberhaupt einer nigerianischen Megachurch. Als seine junge Ehefrau verschwindet, wird Dawodu des Mordes an ihr verdächtigt und verhaftet. Die Festnahme findet sensationsheischend in aller Öffentlichkeit statt und bedeutet die maximale Bloßstellung für den mächtigen Kirchenmann. In ganz Lagos verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer - doch Bischof Dawodu beharrt auf seiner Unschuld. Philip Taiwos Schwester ist Mitglied der Gemeinde und bittet ihren Bruder, den Namen des Bischofs reinzuwaschen. Taiwo hält zwar wenig von dieser Art streng hierarchischer Massenkirche, aber seiner Schwester zuliebe beginnt er zu recherchieren. Doch weder Behörden noch das Kirchenumfeld sind hilfreich bei den Ermittlungen. Hier wird mehr verschleiert als aufgedeckt. Wer will wem die Schuld in die Schuhe schieben? Als auch Taiwos eigene Familie bedroht wird, ist klar, dass die Drahtzieher vor nichts zurückschrecken.
Eine Mischung von "Kriminalhandlung mit Gesellschaftskritik" liest Kritikerin Katharina Granzin mit dem Roman des nigerianischen Psychologen Femi Kayode, der den forensischen Psychologen Philip Taiwo zum Hauptprotagonisten hat und im sehr plastisch geschilderten, in seiner Hitze und dem Lärm fast greifbaren Lagos auf die Suche nach der verschwundenen Frau eines evangelikalen Bischofs schickt. Während Taiwo versucht, die Freikirche und ihre Machtverbindungen zu durchschauen, um den Bischof vom Verdacht zu befreien, mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun zu haben, muss er sich privat mit seiner Familie auseinandersetzen, die lieber wieder in die USA zurückkehren würde, wie Granzin erzählt. Sie fühlt sich durch das Buch zwar insgesamt gut unterhalten, vermisst aber eine tiefere psychologische Ausleuchtung der Motive der verschwundenen Frau - gerade weil der Autor selbst Psychologe ist.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.01.2025
Rezensent Tobias Gohlis freut sich, mit Femi Kayodes Buch einen "raffiniert gebauten" Krimi aus Westafrika vorstellen zu können: Der forensische Psychologe Philip Taiwo kehrt nach einigen Jahren in den USA zurück in seine Heimat Nigeria, wo er einen Mordfall in einer evangelikalen Mega-Church aufklären soll. Die Frau eines Pastors, der durch Fernsehübertragungen seiner Predigten reich geworden ist, ist verschwunden, er wird (zu unrecht) beschuldigt. Taiwo macht sich viel weiter auf die Suche, als er eigentlich soll, berichtet Gohlis. Ihm gefällt, dass der Roman "afrikanische Lebenswirklichkeit" mit einem spannenden Plot und einer Enttarnung der Abgründe der scheinbaren Frömmigkeit vereinbart.
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