zu Klampen Verlag, Springe 2026
ISBN
9783987370618 Gebunden, 168 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Dass die liberalen Demokratien der westlichen Welt zunehmend unter Druck geraten, ist zu Recht häufig konstatiert worden. Neben der wachsenden Macht autoritärer Staaten werden hierzulande vor allem populistische Bewegungen dafür verantwortlich gemacht. Für Ferdinand Knauß greift diese Erklärung zu kurz. Er verfolgt den Beginn des Niedergangs mehr als fünf Jahrzehnte zurück: zum Konflikt zwischen der Kriegsgeneration und ihren Kindern, den 'Achtundsechzigern'. Denn die akademischen Tonangeber der Nachkriegsgeneration forderten nicht nur die Aufarbeitung historischer Schuld, sondern propagierten den Aufstand gegen das westliche Gesellschaftsmodell. Obwohl dieser zunächst sein Ziel nicht erreichte, gelangten die erklärten Gegner des Westens mit dem "Marsch durch die Institutionen" an die Schaltstellen der Macht und beanspruchen seither die Deutungshoheit: Liberale Demokratie soll nicht mehr als Regelwerk einer pluralistischen Gesellschaft dienen, sondern als moralische Blaupause zur Durchsetzung universeller Ziele - ein Anspruch, der zunehmend an der Realität zu scheitern droht.
Freundlich aber sehr knapp bespricht Rezensent Marc Reichwein Ferdinand Knauß' Buch über eine linke europäische Politikergeneration, zu der unter anderem Joschka Fischer zählt. Knauß schreibt darüber, wie diese Generation von '68 und dem Ende des Realsozialismus im Jahr 1989 geprägt wurde und sich für missionarische Projekte begeisterte: Zunächst ging es darum, die Leute zum Kommunismus zu bekehren, später sollten sie für Europa gewonnen werden, der Feind hingegen war immer das Nationalgefühl. Reichwein scheint dieser Diagnose, die auch an eine Kritik der Habermas'schen Verfassungspatriotismus-Idee anschlussfähig ist, zuzustimmen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.04.2026
Rezensent Nicolas Freund findet die rechtskonservative Haltung des Journalisten Ferdinand Knauß interessant. Wenn Knauß auf Europa und den Westen als eine historisch gewachsenen Größe schaut und ihre Gefährdung nicht der AfD oder Trump zuschreibt, sondern dem Hang zur Selbstkritik und -korrektur, kann Freund allerdings nicht folgen. "Argumentativ nicht schlüssig" und nicht überzeugend findet er Knauß' These von einer Aushöhlung des Westens durch die 68er. Und wie ein rechtspopulistische Europa der Nationalstaaten in einer neuen Weltordnung bestehen soll, kann ihm der Autor leider auch nicht darlegen.
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…