Gabriele Nissim

Der Mann, der Hitler stoppte

Dimitar Pesev und die Rettung der bulgarischen Juden
Cover: Der Mann, der Hitler stoppte
Siedler Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783886806942
Broschiert, 318 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Am 20. Februar 1973 starb in Sofia, völlig verarmt, Dimitar Pesev - vergessen auch von jenen, die ihm das Leben verdankten. Dreißig Jahre zuvor, im März 1943, erfuhr der damalige stellvertretende Parlamentspräsident Dimitar Pesev durch Freunde, daß die Deportation der 48.000 Juden Bulgariens unmittelbar bevorstehe. Da handelte er. In einer halb furchtsamen, halb leidenschaftlichen Aktion brachte er den Zaren Boris III. und seine Regierung dazu, den Befehl zu erteilen, dass die in Richtung Auschwitz abfahrbereiten Züge auf keinen Fall die Bahnhöfe verlassen dürften. Pesev war der einzige einflussreiche Mensch im mit Deutschland verbündeten Bulgarien, der sich der stillschweigenden Billigung der "Endlösung" widersetzte. Er stellte sich gegen die Nazis und siegte. Die bulgarischen Juden wurden gerettet. Im August 1943 starb der Zar. Pesev trat nun für die Integration Bulgariens ins westliche Lager ein und beschuldigte die kommunistischen Partisanen in aller Öffentlichkeit, Bulgarien der Sowjetunion in die Hände liefern zu wollen. Das sollte Pesev teuer zu stehen kommen, als die Rote Armee das Land besetzte. Antisowjetischen Verhaltens angeklagt, wurde Pesev zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt und entkam nur knapp dem Gulag. Den Rest seines Lebens verbrachte er unter Hausarrest. Gabriele Nissim hat die Rettung der bulgarischen Juden genau dokumentiert: "Niemand hat dem Nazismus in seinem unerbittlichen Kriege gegen die Juden eine so schwere Niederlage zugefügt".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2000

Martin Messmer begrüßt es sehr, dass die bisher ungeklärte Frage, wer für die Rettung von 50000 bulgarischen Juden im Zweiten Weltkrieg verantwortlich war, nun endlich geklärt scheint. Gerüchte habe es zwar viele gegeben (mal soll es Zar Boris III. gewesen sein, mal Todor Schiwkow), aber Nissims Ausführungen über den damaligen Justizminister Bulgariens Dimitar Pesev geben nach Ansicht des Rezensenten eine plausible Antwort auf das lange ungeklärte Rätsel. Dabei habe sich der Autor an eine "äußerst anspruchsvolle " Aufgabe herangewagt: Pesev lebte nach dem Krieg nicht nur fast völlig vergessen und verarmt in Sofia. Er galt, so der Rezensent, in den Nachkriegsjahren ungerechtfertigter Weise sogar als Faschist. Dass Nessim nun "präzise, objektiv und sensibel" sich dieses Schicksals angenommen hat und damit auch einen Beitrag zur Rehabilitierung Pesevs leistet, ringt dem Rezensenten einigen Respekt ab.

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Ingo Schulze. Das Wasser im August - Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2026.Ingo Schulze: Das Wasser im August
Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler nach Mecklenburg. Eine Landschaft mit weitem Horizont und Wolken, die tief über die Seen ziehen.…