Aus dem Italienischen von Renate Lunzer. Ein paar Tage, vielleicht die letzten, möchte der alte Vater mit seinem Sohn auf der Insel seiner Kindheit verbringen. Sofort steigt der Sohn hinab aus den Bergen, die sein Zuhause geworden sind, um ihm den Wunsch zu erfüllen. Der Vater, ein Seemann, war selten zu Hause; der Sohn hat seinen eigenen Weg beschritten, dem Meer den Rücken gekehrt - und doch verbindet die beiden eine schier grenzenlose Bewunderung und Zärtlichkeit, über die aber nie gesprochen wurde. Werden die beiden eine Sprache finden? Über der Reise liegt ein Schatten: Der Vater ist krank, sein baldiger Tod gewiss. Der Sohn will dem Vater die Diagnose vorenthalten, um dessen Mut nicht zu trüben. Beide versuchen sie, der sommerlichen Hitze, der geschwätzigen Verwandtschaft und ihren Ängsten zu trotzen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2026
Verleger Daniel Kampa kann nicht genügend Italienisch, um richtig lange Bücher zu lesen, deswegen greift er zu den kurzen, weiß Rezensentin Christiane Pöhlmann. Das ist für sie aber ein ziemlicher Glücksfall, denn so können wir Giani Stuparichs Roman nun auch auf Deutsch entdecken. Es geht um einen Vater und seinen Sohn, ersterer ist dem Tode geweiht, wie sie erklärt, gemeinsam reisen sie noch einmal an einen Ort, der ihnen früher viel bedeutet hat. Das ist eine recht traurige Ausgangslage, wie Pöhlmann einräumt, aber die Geschichte lädt eher zum Nachdenken ein, denn Stuparich schreibt auf eindrückliche Weise darüber, wie beide Männer versuchen, den Erwartungen des jeweils anderen gerecht zu werden, ohne sich selbst zu verlieren: Beide zweifeln immer wieder an sich. Der Rezensentin gefällt, wie sensibel der Autor ungewöhnliche Facetten familiärer Beziehungen freilegt und der Text trotz des Entstehungsjahres 1942 damit kein Stück veraltet ist.
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