Aus dem Italienischen von Michael Hack. In diesem vorletzten Band der 'Homo-Sacer'-Reihe untersucht der weltweit bekannte und renommierte Philosoph Giorgio Agamben den Bürgerkrieg als politisches Paradigma. Zwei zentrale Momente der Geistesgeschichte stehen dabei im Mittelpunkt: Im ersten Teil widmet er sich dem griechischen Begriff der "stasis", der die Spaltung der polis in rivalisierende, gewalttätige Gruppen bezeichnet, während er im zweiten Teil eine furiose Interpretation von Hobbes' 'Leviathan' und dessen berühmten Frontispiz vorlegt, und zwar aus theologischer Perspektive. Eine spannende und wichtige Diskussion eines Begriffs, der sich für das politische, philosophische und juridische Denken als zentral erweist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2017
Rezensent Florian Meinel geht mit Giorgio Agambens neuem Buch "Stasis", das nun als vorletzter Band der Homo-Sacer-Reihe erschienen ist, hart ins Gericht. Allein, dass Agamben in den hier versammelten Vorträgen, die er 2001 in Princeton hielt, die Bürgerkriegs-Regelungen der griechischen Polis als verpflichtend für alle Bürger deutet, findet der Kritiker nicht überzeugend: Meinel verweist hier auf die von Agamben offenbar unberücksichtigte jüngste Deutungskontroverse der althistorischen Forschung, derzufolge durchaus fraglich ist, ob Solons Stasisgesetz eine Teilnahme an gewaltsamen Auseinandersetzungen von den Bürgern verlangte. Gleiches gilt laut Meinel für Agambens Interpretation von Thomas Hobbes' Staatstheorie, die hier in Anschluss an Carl Schmitts 1938 publizierten Essay zum mythischen Symbol des Leviathan als politische Eschatologie gedeutet wird: Eine Auseinandersetzung mit jüngsten Forschungsarbeiten würde auch dem "brutalen Antikontextualismus" eines Giorgio Agamben gut tun, findet der Kritiker und meint: Die Zeiten des "Antiliberalismus aus Langeweile" sind vorüber.
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