Heribert Prantl

Verdächtig

Die Politik der inneren Unsicherheit
Cover: Verdächtig
Europa Verlag, Hamburg 2002
ISBN 9783203810416
Gebunden, 160 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Seit dem 11. September ist das Sichere nicht mehr sicher. Das Grundvertrauen der Menschen in den Staat ist erschüttert. Die deutsche Innenpolitik reagiert darauf mit einem neuen Hochsicherheitsstaat, in dem jeder einzelne Bürger als Risikofaktor betrachtet und behandelt wird. Der Fundamentalfehler liberal-rechtsstaatlicher Politik ist: Sie hat sich den starken Staat rauben lassen. Heute können sich deshalb die Rechtspopulisten als Schausteller des starken Staats brüsten und diesen zu einem Spektakel machen. Der starke Staat ist aber keine Knallcharge. Er ist eine Autorität, die ohne Eiferei und Gehechel Straftaten verfolgt und vorbeugt. Darum geht's bei der Bundestagswahl: Soll der starke Staat eine Knallcharge sein - oder eine Autorität?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.06.2002

In der schwammigen Diskussion über Sinn oder Unsinn der unlängst erlassenen Sicherheitsgesetze tut es gut, auch einmal eine "entschiedene Meinung" zu hören, bemerkt Rezensent Ralf Grötker. Eine solche Meinung findet er in Prantls Buch, das sich, so Grötker, wie eine "Aneinanderreihung" politischer Kommentare liest. Doch der Rezensent bedauert, dass sich Prantls Meinungsbekundungen kaum auf konkrete Begründungen stützen. Ebenso müßig findet er Prantls "pointierte" Wortspielereien. Höhepunkt dieses "Pamphlets" sei der Epilog, in dem der Autor aufzeige, "wie eine andere Politik der Inneren Sicherheit aussehen könnte". Eine Politik nämlich, in der die Sicherheit nicht die Freiheit beschneide, die sie doch gerade gewährleisten solle. Anders gesagt: Vom Bürger solle der Verdacht auf den Beamten gelenkt werden. "Das hat durchaus seine Logik", bemerkt der Rezensent. Doch "abgewogen" werde hier nicht, es handele sich bei dem Buch eher um "reine Verdachts-PR". Doch "warum nicht?", schließt der Rezensent versöhnlich.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.06.2002

"Fulminant" nennt der Rezensent Stefan Reinecke Prantls Polemik über die Fetischisierung des Sicherheitsbegriffes. Aber auch schon wieder zu fulminant. Laut Reinecke versteht Prantl die nach dem 11. September verabschiedeten Sicherheitsgesetze als die "Gründung eines neuen Staatstypus: des Präventionsstaates". Hierbei wird der Fehler des Deutschen Herbstes wiederholt, so der Rezensent, die Trennung zwischen Polizei und Geheimdiensten aufgegeben, jeder Bürger würde zum Verdächtigen, so dass das Gleichgewicht zwischen Freiheit und Sicherheit zerstört sei. Doch trotz Prantls oftmals berechtigter Kritik vermisst der Rezensent Ambivalenz in der Darstellung und findet, dass Prantl seiner eigenen Rhetorik zum Opfer fällt. Überzeugend werde das Buch dann, wenn die "Metaphern- und Meinungsmaschine" pausiere. Meistens jedoch antworte Prantl der apokalyptischen Inszenierung der Sicherheitsideologen mit einer "Selbstinszenierung als unerhörte Kassandra". Reineckes Fazit : Auch Prantl fehlt das, was er bei den Sicherheitsgesetzen vermisst: "das richtige Maß".

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