Herausgegeben von Marie Luise Wandruszka. Ingeborg Bachmann nannte ihr großes Erzählvorhaben, an dem sie bis zuletzt festhielt, "Das Buch Goldmann". Es erscheint nun in einer Edition, die das fragmentarisch überlieferte Werk als Projekt eines rettenden Erzählens sichtbar macht. Es wird möglich dank einer ungewöhnlichen Synthese von Tragik und weltoffener Komödie, die keine Opfer mehr nötig hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2018
Warum die, wie er findet, längst überfällige Bachmann-Gesamtausgabe mit einem Band später, intimer und noch unbekannter autobiografischer Zeugnisse der Autorin eröffnet, vermag Rezensent Franz Haas nicht zu sagen. Macht aber nichts, winkt der Kritiker ab, denn der zweite Band der Salzburger Bachmann Edition, der zwar bekannte, bisher aber nur zerstückelt präsentierte Texte aus dem "Todesarten-Projekt" versammelt, lässt alle Bedenken verschwinden, meint Haas. Schon jetzt sei das "Buch Goldmann" das "Glanzstück" der Ausgabe, verspricht der Rezensent, dem erst in dieser Edition die "Musilsche Ironie", mit der Bachmann den Literaturbetrieb skizziert, aufgeht. Leicht lesbar in der Form und klug kommentiert von Marie Luise Wandruszka verspricht die Salzburger Ausgabe großes Vergnügen, schließt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2017
Andreas Kilb hält nicht viel von diesem Roman in Entwürfen von Ingeborg Bachmann, der nun in der Werkausgabe erscheint. Für ihn bieten die präsentierten Werkstufen nicht viel mehr als die Versuchungen, die Goldmann-Texte als autobiografische Bekenntnisse zu lesen und als große Literatur zu betrachten. Beiden Versuchungen erliegen die Herausgeber laut Kilb. Er jedoch sieht in den Texten kein Puzzle ohne Rahmen, sondern verworfene Ideen, verworfen, weil der ursprüngliche Plan einen tiefen Widerspruch zwischen Idee und Ton enthält, wie der Rezensent meint. Dafür ist Kilb Zeuge der Wende zum weiblichen Schreiben. Allerdings auch des Verfalls der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann.
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