Aus dem Serbischen übersetzt von Milo Dor und Reinhard Federmann. Mit einem Nachwort von Milo Dor. In dieser Erzählung des bosnischen Nobelpreisträgers Ivo Andric (1892-1975) erinnert sich ein Mönch an die Zeit, die er - von den osmanischen Behörden der Spionage verdächtigt - in Istanbuls berüchtigtem Untersuchungsgefängnis, dem "verdammten Hof", verbracht hat: einer Stadt im kleinen, in der "Schuldige und fälschlich Beschuldigte, Schwachsinnige und Verlorene oder ganz einfach irrtümlich Verhaftete, Menschen aus Istanbul und aus dem ganzen Land" festgehalten, malträtiert und in Angst und Schrecken versetzt werden. Besonders beeindruckt den Mönch die Erzählung eines jungen Türken vom Erbfolgekampf zweier Sultanssöhne und wie der Bruderzwist zu einem Mittel der Auseinandersetzung zwischen "Christenheit" und Osmanischem Reich gemacht wurde.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2002
Richtig begeistert ist der Rezensent "A. Bn." nicht von diesem 1954 geschriebenen Roman des bosnischen Literaturnobelpreisträgers Ivo Andric - es ist definitiv nicht das beste, was der Autor produziert hat, findet er. Eigentlich ist inhaltlich alles Nötige da, der "plastisch gestaltete und kraftvoll kolorierte multikulturelle historische Stoff" ebenso wie "interessante Figuren, eine pointierte Psychologie sowie das Spiel mit Erzählebenen". Doch das Problem liegt in den Augen des Rezensenten darin, dass sich der Autor nicht richtig zwischen Roman und Novelle entscheiden kann. Deswegen bleiben viele der Handelnden charakterlich unausgefüllt, einzig im Szenischen ist der Autor wirklich stark: "Voll und ganz überzeugt denn einzig Andrics Schilderung der Lagerwelt mit ihren hündischen Gesetzen". Das alles führt dazu, dass die innere Dramaturgie des Textes nicht stimmt und er "nie recht in Fahrt kommen" will.
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