Als großen poetischen Erzähler und Dichter, als Erfinder phantastischer Geschichten kennen wir Johannes Schenk. Zwei bisher unbekannte, umfangreiche Romane aus dem Nachlass zeigen, dass er auch die große erzählerische Form beherrschte. Den ersten von ihnen, zu Ende geschrieben 1995, präsentiert dieser Band. Schenk stellt uns den Vagabunden Jo Schattig vor, den "Zähen", dessen erzwungene Aufenthalte in ummauerten Räumen seine Sehnsucht nach den Erlebnissen in der Wirklichkeit und der Phantasie umso mehr befeuern. Er durchmisst Land und Wasser, dörfliche Idylle und großstädtisches Boheme-Leben, Liebe und Traurigkeit mit nimmermüder Neugier, trifft auf Flora und Stanislaw, Lupka und Raphael, sitzt ruhelos in Bistros und Hafencafes und schaut im Zirkus den Tänzerinnen und Messerwerfern zu.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2011
Dieser Roman ist aus dem Nachlass des 2006 verstorbenen Autors Johannes Schenk veröffentlicht worden. Erste Entwürfe lagen schon in den achtziger Jahren vor, erzählt Kolja Mensing. Und das merkt man dem Buch offenbar an. Schenk erzählt die abenteuerliche Geschichte eines Seemanns, der seine Geliebte an einen Kaffeehausbesitzer verliert. Für Mensing zeigen sich da starke autobiografische Bezüge. Nicht nur ist Schenk ebenfalls eine Zeitlang zur See gefahren. Die "Inselstadt", in der die Geschichte spielt, erinnert ihn auch an das Westberlin der achtziger Jahre, in dem Außenseiter gut leben konnten. Wie gut ihm der Roman wirklich gefallen hat, bleibt unklar, aber dass Mensing große Sympathie für den Autor hat, wird deutlich.
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