Jonathan Cole

Über das Gesicht

Naturgeschichte des Gesichts und unnatürliche Geschichte derer, die es verloren haben
Cover: Über das Gesicht
Antje Kunstmann Verlag, München 1999
ISBN 9783888972256
gebunden, 296 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Mit ergreifenden Fallgeschichten von Menschen, die "ihr Gesicht verloren" haben, schreibt Jonathan Cole eine Geschichte des Gesichts und seiner Fähigkeit, Gefühle auszudrücken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2000

Ulrich Holbein, der hier in einer Sammelrezension Jean-Luc Hennigs "Der Hintern" und Jonathan Coles "Über das Gesicht" bespricht, zeigt sich erfreut, dass nun Bücher über derart unterschiedliche Körperteile vorliegen. In seiner eingehenden Besprechung vergleicht er Coles und Hennigs Untersuchungen, wobei Hennig eindeutig besser wegkommt. "Der Hintern" sei individuell und dazu "süffig, farbig, gewandt, elegant, ulkig" geschrieben. Zuweilen steigere sich der Autor ins "Aphorismusfähige", schwärmt Holbein. Dafür vergibt der Rezensent Hennig manche Plattitüde und attestiert ihm, dass er aus einem an sich wenig ergiebigen Gegenstand sehr viel herausgeholt hat. Cole dagegen wird sein "Sekundär-Jargon" vorgehalten, der das interessante Thema zu trocken abhandelt. Deutlich seien ihm seine "Lehrjahre mit Schul- und Hausaufsätzen" anzumerken. Mitunter streife das Buch im Ton sogar den Trivialroman, bemerkt Holbein abschätzig. Trotzdem seien auch in diesem Buch eine Fülle von erstaunlichen Fakten zu finden, was zu "jenem Rückenrieseln, ja: dem heiligen Schauder" führt, den sich der Rezensent offenbar erhofft hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.10.1999

Stephan Schurr ist sichtlich begeistert von Jonathan Coles Buch, das er als sehr ernst und wissenschaftlich beschreibt. Gleichzeitig sei es eine permanente Aufforderung, sich selbst im Spiegel zu betrachten, Grimassen zu schneiden und die Zuckungen des Lachmuskels zu erkunden. Sehr sorgfältig und genau stellt Schurr die Hauptthesen des Buches dar, das ganz unaufgeregt eine allseits geteilte Grundüberzeugungen ins Wanken bringt, nämlich dass Identität oder Persönlichkeit das Gesicht bestimmt. Wie Schurr schreibt, beweist Cole in seinem Buch das Gegenteil, in dem er die Erfahrungen derjenigen verwertet, die ihr Gesicht verloren haben: Blinde, Entstellte, Autisten. Natürlich, meint Schurr, bleiben jede Mengen Fragen offen, aber immerhin verdanken wir dem Neurophysiologen Cole, die "nüchterne Einsicht in die Motorik der Glückseligkeit."

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Ingo Schulze. Das Wasser im August - Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2026.Ingo Schulze: Das Wasser im August
Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler nach Mecklenburg. Eine Landschaft mit weitem Horizont und Wolken, die tief über die Seen ziehen.…