Hanau, Halle, Kassel, Christchurch oder Utøya - wahnhafte Absichten und rationales Vorgehen schließen sich nicht aus. Justus Benders Essay gewährt einen erschreckenden Einblick in die Strategien des modernen Rechtsterrorismus.Der einhellige Tenor von Berichterstattung und Politik lautet, der Rechtsterrorismus sei irrational und geistlos. Oft wird angenommen, es handele sich um Taten von unzurechnungsfähigen Einzeltätern. Diesem Fehlschluss, aus der Wahnhaftigkeit der Motive auf die Wahnhaftigkeit der Tat zu schließen, stellt sich dieses Buch vehement entgegen. Angemessen auf die rechtsterroristische Gewalt der Gegenwart kann die offene Gesellschaft nur reagieren, wenn sie sich der Rationalität und des Kalküls ihrer Gegner bewusst ist. Der Plan ist ein Vademecum, in dem sechs einflussreiche, in der rechtsextremen Szene weithin zirkulierende Handreichungen zu einer rechtsextremen Praxis nach der Niederlage des Nationalsozialismus vorgestellt werden - vom "Werwolf" der letzten Kriegstage der Jahre 1944/45 über die fiktiven Turner-Tagebücher 1978 bis zum "Blücher-Plan" aus dem Jahr 2000, auf den auch der NSU in seinem Bekennerschreiben zu verweisen scheint.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.04.2021
Sehr engagiert bespricht Rezensent Tanjev Schultz zwei Neuerscheinungen zum Thema rechte Gewalt und vergleicht sie miteinander. Die Art, wie Justus Bender die Verharmlosung der Rechten zurückweist und stattdessen ihre Strategiepapiere und Ähnliches vorführt, um ihre Gefährlichkeit zu beweisen, hat ihm durchaus gefallen. Dennoch scheint ihm der Essay zwar "elegant", aber dennoch fragwürdig in dem, wie er vieles beiseite schiebt - etwa das Versagen des Verfassungsschutzes. Zwar lobt der Rezensent die Analyse, zum Beispiel dass es rechte Strategie sei, Beamte und Opfer auseinanderzudividieren. Einigermaßen "anmaßend" findet der Kritiker dann aber den Rat des Autors an die Hinterbliebenen, dies in ihrer Wut gegen staatliches Versagen mitzubedenken.
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