61 farbige Tafeln, 10 Abbildungen. Mit einem Text von Ulrike Meyer Stump. Die Pflanzenfotografien von Karl Blossfeldt (1865 bis 1932) gehören praktisch seit ihrer ersten Veröffentlichung Ende der 20er Jahre zu den ästhetischen Höhepunkten der Fotogeschichte. Dass sie noch einmal "Konkurrenz" - und zwar aus den eigenen Reihen bekommen könnten, schien unwahrscheinlich. Das war jedoch der Fall, als im letzten Jahr erstmals einige von Blossfeldt selbst geschaffene Fototableaus ausgestellt wurden, von denen sich 61 im Nachlass fanden. Auf Kartons im Format 50 x 65 cm hatte Blossfeldt bis zu 40 Abzüge seiner Pflanzenphotos befestigt, in unterschiedlicher Größe, auf farblich zum Teil stark variierendem Photopapier und mehr oder weniger systematisch zu Motivgruppen collagiert. Einige sind von seiner Hand mit Feder und Tusche markiert oder beschriftet, bei anderen kennzeichnete er Ausschnitte. Sinn und Zweck dieser Tableaus sind bisher ebenso rätselhaft wie ihre Entstehungszeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.04.2001
Wenn der Rezensent bemerkt, als Person sei der Künstler wohl so aufregend gewesen wie sein Name, und der Name Karl Blossfeldt ist, verheißt das nichts Gutes für das Werk. Dass ausgerechnet dieser Blossfeldt mit seinen Pflanzenfotos, wie Ulf Erdmann Ziegler uns wissen lässt, für eine mirakulöse Verbindung von Funktionalismus und Ornamentik zuständig sein soll, nimmt wunder. Und doch: "typisch Blossfeldt" sind die 61 "in schlichter handwerklicher Manier gelayouteten" fotografischenTafeln , typisch die Knospen, Blüten, gekappten Halme und ausgefahrenen Blätter in wechselndem Licht, schreibt der Rezensent - "ein Memorandum zwischen Funktionalismus und Ornamentik". Überrascht ist er trotzdem. Ein Blossfeldt? Die Idee des Verlags aber macht's: Die versammelten Kontaktabzüge in Farbe zu reproduzieren, sie ihrer feldgrauen Sphäre zu entreißen - Ziegler findet das "schlagend".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2001
Ein "wunderbares Bilderbuch, bei dem man dem Gestalter über die Schultern blicken darf", lobt Rezensent Klaus Märtens. Er schildert in seiner Kritik den unprätentiösen Zugang zur Fotografie, den Karl Blossfeldt hatte. Dieser begann nach eigener Aussage zu fotografieren, weil er als Professor für plastisches Gestalten seine Studenten zur Beobachtung anregen wollte. Der von Blossfeldt nicht beabsichtigte Gang vom Wissenschaftler zum Künstler begann, so Märtens, mit der ersten Veröffentlichung 1926 und der zweiten 1928, mit der Blossfeldt schließlich seinen Ruhm als Fotograf begründete. Über die "Arbeitscollagen", die hier reproduziert sind, mutmaßt der Rezensent, dass sie "nicht nur Hilfsmittel ... im Bilderberg" waren, sondern auch dazu dienten "Ordnung, System und Abfolge in die Vielfalt zu bringen". Das Buch übt einen "starken Reiz auf das hungrige Auge" aus, verspricht Märtens, der begeistert verschiedene Bearbeitungstechniken Blossfeldts aufzählt, die man hier erkennen könne.
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