Martin Becker

Die Arbeiter

Roman
Cover: Die Arbeiter
Luchterhand Literaturverlag, München 2024
ISBN 9783630877402
Gebunden, 304 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Eine Liebeserklärung an ein aussterbendes Milieu, dessen Kinder vom großen Los träumten, aber auch mit den Trostpreisen zufrieden sind.Manchmal lassen die Eltern die heißen Fabrikhallen hinter sich und fahren los. Mit den Kindern ans Meer, immer an die Nordsee und immer nur für ein paar Tage. Der Rest ist Plackerei: Für das Reihenhaus, für die Kinder, für ein bisschen Glück - wenigstens im Rahmen des Sparkassendarlehens. Martin Becker erzählt in "Die Arbeiter" von einer kleinstädtischen Familie, die es nicht mehr gibt. Von zu früh gestorbenen Eltern und Geschwistern, von einem unverhofften Wiedersehen an der Küste, vom kleinen Wunder, nach dem Verschwinden der Ursprungsfamilie nun selbst Vater zu sein und einen Sohn zu haben. Die altmodischen Nähmaschinen der Mutter, der schwere Schmiedehammer des Vaters, die billig eingerichteten Ferienwohnungen und stets zugequalmten Kleinwagen aus dritter, vierter, fünfter Hand: es ist die Geschichte über eine Herkunft aus einfachen Verhältnissen, fern aller Romantik und Verklärung. Ein Denkmal für die verschwundene Arbeiterfamilie. Eine Liebeserklärung an ein aussterbendes Milieu, dessen Kinder vom großen Los träumten, aber auch mit den Trostpreisen zufrieden sind. Aktueller denn je.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.06.2024

Rezensentin Cornelia Geißler findet viel Gefallen an Martin Beckers autofiktionalem Buch, in dem der Autor seine Herkunft aus einer Arbeiterfamilie reflektiert. In den 1980ern setzt das Buch an, erfahren wir, in einem Nest in Nordrhein-Westfalen, es geht um den Vater, von dem sich der Autor abzusetzen versuchte und es doch nie schaffte, und um seine ältere Adoptivschwester, die zeitlebens unter Behinderungen leidet. Die Kindheit war nicht leicht, inzwischen ist der Verfasser zwar seiner sozialen Klasse entkommen, so Geißler, aber eben nicht ganz, etwas hält ihn zurück, das Buch wird ein weiterer Abschied. Das Buch springt zwischen den Zeiten hin und her, erklärt die Rezensentin, die der Ansicht ist, dass Becker der autofiktionalen Methode von Ernaux und Co durchaus etwas hinzuzufügen hat, unter anderem wenn er eine Figur, eine zweite Schwester, hinzuerfindet. Ein ziemlich großes Buch, in dem Familie immer zurück aufs Ich verweist, schließt Geißler.

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Ingo Schulze. Das Wasser im August - Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2026.Ingo Schulze: Das Wasser im August
Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler nach Mecklenburg. Eine Landschaft mit weitem Horizont und Wolken, die tief über die Seen ziehen.…