Moritz Weber

Chopins Männer

Cover: Chopins Männer
Schwabe Verlag, Basel 2026
ISBN 9783796554292
Gebunden, 547 Seiten, 39,00 EUR

Klappentext

Mit 75 Farbabbildungen. Der polnische Komponist Frédéric Chopin schrieb und versandte diverse Liebesbekenntnisse - ausschliesslich an Männer. Auf der Grundlage einer Vielzahl an bisher unpublizierten und unbeachteten Archivalien (z. B. Briefe und Notizbücher) werden die Adressaten hier detailliert vorgestellt - sie treten aus dem Schatten und erzählen von Chopins (Doppel-)Leben in einer von Revolutionen geprägten, homophoben Zeit. Das Buch blickt hinter die Mythen und Fassaden, die bereits im 19. Jahrhundert rund um Chopin aufgebaut wurden; es lüftet diverse Schleier, die zu heben damals noch nicht möglich war. Dadurch erscheinen der geniale, humorvolle, bisweilen auch spöttische und zotige Klavierpoet und seine Musik in einem neuen Licht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.2026

War Chopin schwul? Spielt das überhaupt eine Rolle? Ja und Ja, antwortet Jan Brachmann in einer ausführlichen Besprechung des vorliegenden Bandes. Man mag als Leser seiner Kritik kaum noch Zweifel an der Hypothese haben, so rührend sind Chopins Liebesbriefe an Tytus Woyciechowski, einen späteren wichtigen Pionier der Landwirtschaft in Polen, aus denen Brachmann zitiert. Es ist schon mehr als der in der Romantik übliche "überschwängliche Sprachgebrauch" unter Männern, wenn Chopin ihm schreibt, er sei gerade nackt im Moment des Briefeschreibens, oder sein "liebster Tytus" solle sich ihm nicht nähern, denn er sei noch nicht gewaschen, und überhaupt habe er, Tytus, ihm des nachts einen "widerwärtigen Traum" beschert. Und wie konsterniert war George Sand, die von Chopin Sex erwartet hatte, den er ihr nicht geben wollte. Natürlich sind diese Fragen relevant, insistiert Brachmann: Die himmlische Melancholie der Musik Chopins war immer politisch, durchs Exil, erklärt worden. Wäre eine Erklärung durch ein unerfülltes Verlangen nicht ebenfalls plausibel? Aber, so Brachmann: "Politische Erklärungen gelten nicht als kunstfern, erotische schon." Chopin ist in Polen ein Nationalheiliger, "sein Herz ruht in einem Pfeiler der Warschauer Heiligkreuz-Kirche". Sowohl die Kommunisten, als auch die Kirche, als auch die lange regierende PiS-Partei hatten Interesse, die Frage der Homosexualität bei Chopin zu verdrängen. Um so dringender ist es, sie zu stellen, dankt der Rezensent dem Autor, und ist gespannt, wie man in Polen auf das Buch reagieren wird.

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