Die Treuhandanstalt steht für viele Menschen für all das, was bei der Wiedervereinigung Deutschlands schiefgelaufen ist. Vor allem in Ostdeutschland ist sie zum Synonym geworden für Ausverkauf, Raubzug und Willkür, also vieles, was bis heute mit den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung verbunden ist.In diesem Buch berichten 17 Akteurinnen und Akteure aus dem Inneren der nach wie vor umstrittenen Behörde. Vorstände, Referentinnen oder Abteilungsleiter erzählen von langen Arbeitstagen, schwierigen Rahmenbedingungen und großem öffentlichem Druck. Sie erinnern sich an die ersten Arbeitstage, an die enge Zusammenarbeit im Kollegium und an überraschende Details zu bekannten Privatisierungsfällen in Ostdeutschland. Es kommen mehrere Vorstandsmitglieder zu Wort, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Personalbereich, der Öffentlichkeitsarbeit, der Rechtsabteilung oder den regionalen Niederlassungen. Die Erinnerungen an die Arbeit innerhalb der Treuhand fügen insofern der Debatte um ihr Wirken eine weitere wichtige Perspektive - nämlich die von innen - hinzu.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2024
Ein wichtiges Kapitel der Zeitgeschichte wird hier noch einmal aus einer neuen, erhellenden Perspektive beleuchtet, so Rezensent Joachim Scholtyseck. Und zwar versammelt dieser Band, lesen wir, Interviews mit 17 Treuhandmitarbeitern, die über die Herausforderungen ihrer Arbeit bei der Privatisierung ostdeutscher Betriebe berichten. Neben westdeutschen Managern waren, stellt Scholtyseck klar, auch ehemalige DDR-Verwaltungsangestellte unter den Treuhändern, teils wurden sie zunächst von ihren Westkollegen argwöhnisch beäugt. Scholtyseck stellt in seiner Rezension insbesondere die Schwierigkeiten einer Unternehmung dar, die versuchte, weitgehend unprofitable Betriebe zu modernisieren und abzuwickeln, um Ostdeutschland wettbewerbsfähig zu machen. Oft wurden die Treuhänder als unmenschlich angefeindet, beschreibt Scholtysek nach der Lektüre, aber wäre ein anderes Vorgehen überhaupt möglich gewesen? Der Rezensent zumindest tendiert dazu, diese Frage mit einem klaren Nein zu beantworten. Die Treuhand löffelte, argumentiert er mit den Interviewten dieses Bandes, die Suppe aus, die ihr der Sozialismus eingebrockt hatte, und sie konnte dabei auf Gefühle oft keine Rücksicht nehmen.
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