Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2000
In einer Doppelkritik bespricht Christian Schuler zwei Bände, die sich mit der Frage beschäftigen, was heute einen Priester ausmacht, wie er sich von Laien unterscheidet und worin seine Vorbildfunktion für die Gläubigen begründet liegt. Beide Bände sind im Bonifatius-Verlag erschienen und großenteils selbst von Priestern verfasst. Es handelt sich um "Priester mit Profil - zur Zukunftsgestalt des geistlichen Amtes", herausgegeben von Peter Klasvogt und Reinhard Lettmann, und um "Ihr seid der Brief Christi" von den Herausgebern Reinhard Marx und Peter Schallenberg.
1) "Priester mit Profil"
In seiner Rezension geht Schuler von einem vor einiger Zeit erschienenen unpopulären Essay des Philosophen Josef Pieper aus, der in "Was ist ein Priester?" das Amt von der institutionellen Weihe her definierte - und daran misst er auch die Beiträge in "Priester mit Profil". Dabei polemisiert er besonders gegen den Bremer Pfarrer Christian Hennecke, der das Priestertum auf der "integren Persönlichkeit" des Priester, seiner Fähigkeit zur Kommunikation und praktizierter Nächstenliebe aufbauen will. Damit ist Schuler ganz und gar nicht einverstanden: "Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Der christliche Gott wird glaubwürdig - und zwar dadurch, dass Christen einander lieb haben." Weit sympathischer ist ihm da der Beitrag des Erfurter Bischofs Joachim Wanke, der an den Zauber der Symbole in der katholischen Kirche erinnert und hofft, über die schöne Zeremonie des Gottesdienstes wieder kirchenferne Bürger in die Kirche zu locken.
2) "Ihr seid der Brief Christi"
Dieser Band, so Schuler, kommt in seiner Argumentation historischer daher und sieht besonders in Papst Johannes XXIII. ein Vorbild für charismatisches Priestertum. Auch hier wendet sich Schuler gegen Definitionen, die die Vorbildfunktion des Priester vor allem an seiner Person und seinem Lebensstil festmachen wollen und lobt viel mehr einen Aufsatz von Andreas Wollbold , der an die französische Heilige Therese von Lisieux erinnert: Sie erinnerte an die "priesterliche Würde", die keineswegs allein durch die Person, sondern in erster Linie durch die Kirche und ihre Mysterien der Gottesstellvertreterschaft zu begründen sei.
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