Robert Harrison

Die Herrschaft des Todes

Cover: Die Herrschaft des Todes
Carl Hanser Verlag, München 2006
ISBN 9783446207271
Gebunden, 302 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Der Tod als Ursprung aller Zivilisation - mit dieser provokanten These möchte Robert Harrison in seiner unkonventionellen Studie zeigen, was der Reichtum des Lebens dessen Endlichkeit verdankt. Eine Kultur entwickelt sich nämlich nur dort, wo sich die Menschen ihrer Verstorbenen erinnern: durch Gräber und Denkmale, durch Bilder und Texte. Human kann sich eine Gesellschaft immer nur nennen, wenn sie sich ihrer Wurzeln bewusst ist - und am Ende bleibt es Sache der Kunst, dieses Bewusstsein wachzuhalten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.04.2006

Als "thesenreiches und eigentümlich berückendes Buch" würdigt Uwe Justus Wenzel diesen kulturanthropologischen Essay über das Nachleben und die "Herrschaft" der Toten, den der Literaturwissenschafter und Italianist Robert Harrison verfasst hat. Er weist darauf hin, dass die ansonsten gelungene deutsche Übersetzung des Werks beim Buchtitels ("The Dominion of the Dead") in die Irre führt. Schließlich gehe es Harrison um das Nachleben der Toten, nicht um das des Todes. Plausibel erscheint Wenzel die Hauptthese des Essays, wonach die Menschen ihre Toten nicht einfach begraben, um eine Trennung zu vollziehen, "sondern auch und vor allem, um den Boden zu humanisieren, auf dem sie ihre Welten bauen und auf den sie ihre Geschichtsbilder gründen" (Harrison). Dass sich Harrison auf das "säkulare" Nachleben der Toten konzentriert, kann Wenzel durchaus nachvollziehen. Dennoch hätte er sich gewünscht, der Autor hätte etwas mehr über ein "etwaig anderes, nichtsäkulares Nachleben" gesagt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2006

Eine Ästhetik des Todes der besonderen Art entdeckt Andreas Platthaus in diesem Band. Dem Dilemma, ein Thema zu verhandeln, das sich der Erfahrung entzieht, entgeht der amerikanische Literaturwissenschaftler Robert Harrison laut unserem Rezensenten, indem er zum Chronisten all jener Spuren wird, die dem Tod durch die Kulturgeschichte (der Lebenden) eingeschrieben sind. Als Lebensphilosophie vom Tode her also begreift Platthaus das Buch. Und er genießt sichtlich die Lektüre. Gleich ob der Autor für seine Ästhetik den Dichtern nachspürt oder eine "ungewöhnlich leichte" philosophiegeschichtliche Studie über Heidegger und Vico einstreut - immer wieder staunt der Rezensent über ein literarisch-philosophisches Schreiben, das heute unbekannt sei, so hochanspruchsvoll und hochverständlichen zugleich, dass sich der Rezensent fragt, worin eigentlich seine eigene Leistung noch bestehen könnte.

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Ingo Schulze. Das Wasser im August - Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2026.Ingo Schulze: Das Wasser im August
Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler nach Mecklenburg. Eine Landschaft mit weitem Horizont und Wolken, die tief über die Seen ziehen.…