Übersetzt von Gabriele Haefs. Erika, geboren 1944, erzählt ihre Geschichte - so wie sie gewesen sein könnte. Sie stellt sich das Leben ihrer Familie im Ghetto vor. Wie sie mit Hunderten von Juden zum Bahnhof getrieben und in einen Viehwagen gepfercht wurden, der sie in ein Lager bringen sollte. Und wie die Mutter, als der Zug in einem Dorf sein Tempo verlangsamte, ihr Kind in ein Tuch wickelte und den Säugling hinauswarf. Jemand hob ihn auf und brachte ihn zu einer Frau, die für das Mädchen sorgte und ihm einen Namen gab: Erika.
Jens Thiele empfiehlt im Namen der "Luchsjury" ein Bilderbuch über den Holocaust. Vor fast zwanzig Jahren, erinnert er, hat Roberto Innocento schon einmal eine solche Geschichte bebildert; damals sei eine kontroverse Diskussion über die Zulässigkeit entbrannt - kann man Kindern so etwas zumuten? Heute, schreibt Thiele, sind die Grenzen nicht mehr so eng gesteckt. "Erikas Geschichte" sei zuerst gar nicht die eines Individuums: Gesichtslose Figuren sind es, die in Ruth vander Zees empfindsamer und kraftvoller Sprache und auf Innocentos "detailversessenen" Bildern in einen Zug verladen werden, dessen Ziel das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ist. Erst, als ein rosafarbenes Bündel von zwei Händen aus dem Zug geworfen wird, beginne die Geschichte eines Menschen mit einer Identität, der aber für immer von seiner Herkunft getrennt bleibe. "Bild und Text", schreibt Thiele, "vermitteln (...) neben der Ungeheuerlichkeit der Vergangenheit zugleich den Trost, dass damals ein Kind auch ins Leben geworfen werden konnte".
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…