Kunst in digitalen Medien führt vielfach Experimente der klassischen Avantgarde weiter und schafft faszinierende ästhetische Phänomene. Wie begegnen Publikum und Kritik diesen neuen Erscheinungen? Soll man sich auf die Effekte der Programmierung konzentrieren, auf die Materialität der Zeichen und die Intensität des Erlebens, wie es Lyotards "Ästhetik des Ereignens" oder Gumbrechts "Kultur der Präsenz" vorgeben? Soll man, im Modus einer "Kultur des Sinns", das Erlebte der Deutung unterziehen mit dem Ziel reflexiver Verunsicherung, die einst Adorno als Funktion von Kunst festschrieb? Wie nah steht die Ereigniskunst dem Spektakel und die Interaktivität der Kulturindustrie?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2012
Auf einen Kern heutiger Kunsterfahrung fühlt sich Reinhard Storz hingewiesen, während er das Buch des Medienwissenschaftlers Roberto Simanowski liest. Simanowski befasst sich darin mit den Besonderheiten bei der Rezeption digitaler Kunst und unternimmt den Versuch, die entsprechenden Erfahrungen zwischen sinnlicher und intellektueller Sensation in den Kunstdiskurs einzuordnen. Laut Storz gelingt dem Autor das kenntnisreich anhand konkreter Beispiele, etwa der Arbeiten des Duos Utterback/Achituv. Die Vorstellung einer Doppelcodierung (für Herz und Hirn), die der Betrachter nachvollzieht, vermag Simnowski dem Rezensenten nachvollziehbar zu vermitteln.
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