Ulrich Schmid

Der Zar von Brooklyn

Roman
Cover: Der Zar von Brooklyn
Eichborn Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783821808321
gebunden, 516 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Der junge Moskauer Journalist Sascha erhält den Auftrag, für sein Blatt einige Porträts nach New York ausgewanderter Russen zu verfassen. In Brooklyn, wo in ?Little Odessa? mehrere hunderttausend russische Emigranten leben, lernt er den mysteriösen Geschäftsmann Markow kennen. Er spürt bald, daß den todkranken Zar von Brooklyn ein bedrohliches Geheimnis umgibt. Zurück in Moskau erkennt Sascha, daß sich auch der ehemalige KGB und mächtige Verbrechersyndikate für Markow interessieren. Auf der Suche nach der Wahrheit gerät Sascha zwischen die Mühlsteine der wahren Machthaber Rußlands und bekommt zu spüren, daß niemand der grausamen Realität des Ostens entkommen kann.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.06.2000

Sehr skeptisch war Rezensent Gerrit Bartels, als er zu lesen anfing. Ein Schweizer, der versucht, einen russischen Roman zu schreiben - und das auch noch über 500 Seiten! Jedoch: "Ulrich Schmid gewinnt sein Risikospiel", verrät Bartels schnell, um sich dann in eine begeisterte Besprechung zu stürzen. Er nennt Schmid einen "mächtigen, ausschweifenden Erzähler" in der Tradition von Dostojewski, Turgenjew oder Tolstoi. Gelegentlich verliere sich Schmid vielleicht ein bisschen seinen Dialogen und vergesse darüber die Handlung, aber das fällt für Bartels nicht weiter ins Gewicht angesichts der "äußerst eindringlichen" Beschreibung des neuen Russlands. Dass Bartels sich hinreißen lässt, am Ende seiner Rezension das überraschende Ende der Geschichte zu erzählen, ist allerdings ein bisschen unfein.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2000

Geradezu verzückt äußert sich Hans-Peter Kunisch über diesen Roman eines Schweizers, der aus der Ich-Perspektive eines russischen Journalisten über New York erzählt. Der Rezensent staunt über die Einfühlung in seinen Charakter, zu der Schmid - ehemals Moskau-, dann Amerikakorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung - fähig sei, so dass man ihm als Leser seine Anverwandlung an seinen russischen Helden durchaus abzunehmen scheint. Was auch immer in den Blick dieses jungen Russen hineingerät, ob es die in den USA so häufigen "Hochübergewichtigen" sind oder die russische Mafia - Kunisch findet es mit "körpergenauem Realismus" erzählt. Das Bedenken, ob dieser Realismus etwas Altmodisches sei, wischt Kunisch ob seiner Lesefreude mit leichter Hand bei Seite. Nein, gar nicht, und überhaupt wirke dieser Realismus heute wieder "neu". "Ulrich Schmid kann, was von der deutschsprachigen Literatur immer wieder gefordert wird: erzählen."
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