Wolfgang Bergmann

Ikarus 2000

Warum das nächste Jahrhundert männlich wird
Cover: Ikarus 2000
Kreuz Verlag, Stuttgart 2000
ISBN 9783783118056
Paperback, 218 Seiten, 15,29 EUR

Klappentext

Aus dem Buch: "Alle psychoanalytischen Fallstudien des Narzissmus, also jenes Charaktertypus, der vom Realen weg will, zugleich eine fast arrogante Lust am perfekten Funktionieren und Manipulieren von Realitäten und Menschen zeigt, sind Studien über Männer. Kurz, wenn wir von digitaler Technologie, von Stimulationen und Vermehrung der Maschinenkompetenzen bis hin zur künstlichen Intelligenz oder künstlichem Leben sprechen, dann sprechen wir in Wahrheit von einer Männervision, einer Männerarbeit, einer Männerzunft."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2000

Hartmut Hänsel stellt in einer Besprechung drei Bücher vor, die überlegen, wer im 21. Jahrhundert bestimmt: die Männer oder die Frauen? Hänsel findet alle drei Bücher vergnüglich zu lesen. Auch seien die Thesen genügend provozierend, "Stammtischrunden aufzumischen".
1) Helen Fisher: "Das starke Geschlecht"
Nach Ansicht der amerikanischen Anthropologin Helen Fisher werden die Frauen in der Zukunft dominieren. Wie der Rezensent berichtet, hat Fischer für ihr Buch anthropologische, psychologische, soziologische und naturwissenschaftliche Studien ausgewertet, es sind aber offenbar die biologischen Erkenntnisse, die Fishers Meinung stützen: Frauen sind für die Zukunft besser gerüstet, weil ihre Hirnhälften besser vernetzt sind und die "evolutionstechnisch jüngeren Regionen" stärker genutzt werden. Frauen sind somit das "weiter fortgeschrittene Modell". Das ist aber noch nicht alles! Die Frauen der geburtenstarken Jahrgänge, die sogenannten babyboomer, kommen jetzt in die Menopause. Damit verändert sich ihr Hormonspiegel - der Testosteronspiegel steigt und damit die Durchsetzungsfähigkeit, referiert Hänsler. Die Argumentation Fishers scheint ihm wohl überzeugend, denn widersprechen will er nicht.
2) Lionel Tiger: "Auslaufmodell Mann"
Auch Tiger, ebenfalls ein amerikanischer Anthropologe, prognostiziert den Abstieg der Männer. In der Schule wegen ihres "größeren Bewegungsdranges" gemaßregelt, sexuell frustriert, politisch ohne Führungsanspruch und wirtschaftlich verelendet - so beschreibt Hänsel die Zukunft wie Tiger sie sieht. (Uns kommen die Tränen.) Besonders die sexuelle Unabhängigkeit (Antibabypille) und der wirtschaftliche Aufstieg der Frauen sei daran schuld. In diesem letzten Punkt widerspricht Hänsel dem Autor: dass Fraueneinkünfte schneller steigen als Männergehälter muss seiner Ansicht nach nicht gleich zu einer "Verelendung" der Männerwelt führen. Der Rezensent kann sich allerdings auch nicht zu dem Bekenntnis durchringen, dass hier langsam eine längst überfällige Anpassung der Einkommen erfolgt.
3) Wolfgang Bergmann: "Ikarus 2000"
Nur Bergmann ist der Ansicht, dass die Zukunft männlich dominiert ist, erzählt Hänsel. Der Autor mache seine Argumentation an zwei männlichen Modellen fest: Ikarus und Narziss. Ikarus sei das erste Beispiel für die "technisierte Loslösung vom Ich", so wie der moderne Manager - immer flexibel, immer einsatzbereit - das moderne Beispiel sei. Der Traum vom "Verschmelzen mit der Maschine" werde mit der modernen Computertechnologie (ein Männerfeld!) immer realer. Die Kehrseite dieser Selbstverliebtheit sei die Einsamkeit. Der Kontakt mit der Umwelt bricht - wie bei Narziss - ab. Ob dies der Punkt ist, wo die Frauen wieder ins Spiel kommen, sagt Hänsel nicht.
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