Wolfgang Kersting

Kritik der Gleichheit

Über die Grenzen der Gerechtigkeit und der Moral
Cover: Kritik der Gleichheit
Velbrück Verlag, Weilerswist 2002
ISBN 9783934730472
Gebunden, 368 Seiten, 40,00 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.12.2002

Freiheit statt Gleichheit fordert der Kieler Philosoph Wolfgang Kersting in seinen für dieses Buch zusammengestellten Texten, berichtet Wilfried Hinsch. Der "Freund scharfer Abgrenzungen und kräftiger Formulierungen" hole auch diesmal, so der wenig überraschte Rezensent, weit aus und kritisiere ausgiebig den Sozialstaat und dahinter stehende Vorstellungen von Gleichheit und Gerechtigkeit. Vieles von Kerstings Behauptungen hat Hinsch wegen seiner "moralischen Klarsicht" und "sozialpolitischem Common Sense" überzeugt. Doch sieht der Rezensent anders als der Autor darin keinen Widerspruch zwischen "egalitären Konzepten" und Liberalismus. Abgesehen davon, gibt Hinsch zu bedenken, dass die Freiheit des Einzelnen an der realen Unfreiheit des Marktes scheitert, was die Überzeugung und Argumentation Kerstings doch recht fragwürdig erscheinen lasse, wie der Rezensent findet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002

Wolfgang Kersting warnt erst einmal vor seiner eigenen Profession: der Nutzen der Philosophen in ethischen Fragen ist, meint er, begrenzt, nicht zuletzt, weil man auch untereinander heillos zerstritten ist. Das heißt natürlich nicht, dass nicht auch Kersting sehr bestimmte Positionen hat. Er ist, mit den Worten von Friedrich Wilhelm Graf, ein "bekennender Liberaler", entsprechend ein entschiedener Gegner des "wohlfahrtsstaatlichen Egalitarismus". Dennoch mache Kersting, so Graf, mit seiner Forderung nach einer "Loyalitätsmoral" einen "originellen" Schritt auf die an der Begründung von Bürgertugenden interessierten Kommunitaristen zu. Das läuft jedoch implizit, kritisiert der Rezensent, auf die gar nicht liberale Aufforderung zum "Patriotismus" hinaus. Dennoch ist Grafs Urteil über das Buch alles in allem positiv. Er lobt Kersting nicht zuletzt für den "offenen, hypothetischen Charakter" seiner Überlegungen, die Bescheidenheit, mit der er auf Lösungsvorschläge verzichtet und die Philosophie auf nicht mehr als "präzisere Beschreibungen der Dilemmata" verpflichten will.

Beliebte Bücher

Caroline Wahl. 1999 Meter über dem Meer - Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer
Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…