Vom Aufkommen der Videotechnik Mitte der sechziger Jahre bis heute hat sich ein breitgefächertes Feld der Videopraxis etabliert. Es nimmt seinen Ausgang in der Auseinandersetzung mit den Parallelmedien Fernsehen und Performance und entwickelt im Rahmen der Formatvorgaben von Videoband, Videoinstallation und Videoperformance ein eigenes ästhetisches Vokabular. Dieses zeichnet sich durch Übergänge zur Installation, zum Happening und zu multimedialen, hypermedialen und interaktiven Präsentationsformen aus. Yvonne Spielmann fragt in ihrer Studie nach dem Stellenwert von Video in technologischer, ästhetischer und medienkultureller Perspektive und vertritt die These, dass Video ein eigenständiges Medium darstellt und nicht etwa ein Zwischenstadium, das mit der Einführung digitaler Technologien obsolet würde. Der vorliegende Band bietet einen Überblick über Theorie und Geschichte der Videokunst und stellt daher ein Kompendium dieser für die Kunst der Gegenwart maßgeblichen Kunstform dar.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.08.2005
Bemerkenswert, wenn auch überaus mühevoll zu lesen findet Rezensentin Christina Kruse dieses Buch über die Entwicklung des Mediums Video, das Yvonne Spielmann, eine "hervorragende Expertin" zum Thema, vorgelegt hat. Gegen die geläufige Einordnung von Video als Zwischenstation vom analogen zum digital kodierten Medienbild stelle Spielmanns Studie die Medienspezifik von Video heraus und verhelfe Video zum Rang eines eigenen "reflexiven" Mediums. Das Buch hat nach Ansicht Kruses einiges zu bieten: So führe Spielmann nicht nur durch die jüngere Mediengeschichte, beschreibe die Entwicklung der Videotechnologie, zeige die Relationen und Differenzen zu den Nachbar-Medien auf und zeichne die Gebrauchs- und Institutionalisierungsformen von Video nach. Sie stelle auch Formen medienspezifischer Ästhetik dar und bringe eine Fülle von Beispielen aus der Videokunst, deren selbstreflexive Bildlichkeit zugleich ihre medialen Bedingungen thematisieren. Kruse bescheinigt der Autorin, eine "klare These" zu verfolgen, und mit "beachtlichen bild- und medienwissenschaftlichen Argumentationspotenzial" aufzuwarten. Die Kehrseite der Medaille sieht Kruse in der Darstellung des Stoffes. Den zwinge Spielmann in ein "enges und überaus dröges Korsett einer Wissenschaftssprache". Auf dass die Lektüre zur Qual werde.
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