Mit 27 Farb- und 81 Schwarzweiß-Abbildungen. Die "Altmeister der Kunstgeschichte" und ihre Werke sind fester Bestandteil des universitären Studiums. Der Beitrag früher Kunsthistorikerinnen zur Entwicklung der Disziplin ist hingegen bis heute weitgehend unsichtbar. Welche neuen Sichtweisen auf die Kunst, welche Methoden und Fragestellungen entwickelten die ersten Kunsthistorikerinnen, die seit dem späten 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum zum Studium zugelassen wurden? Welche Wirkungsfelder erschlossen sie sich, bevor der Nationalsozialismus vielen von ihnen eine Zäsur setzte, die nach 1945 nur langsam überwunden werden konnte? In dem Band werden 24 Texte vorgestellt, die zwischen 1910 bis 1980 entstanden sind. Expert*innen führen in die Entstehungszusammenhänge der Texte ein. So macht der Band Arbeiten früher Kunsthistorikerinnen wieder zugänglich und lädt dazu ein, die Vielfalt der Disziplin neu zu entdecken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2022
Rezensent Ulrich Pfisterer empfiehlt diesen Band über Kunsthistorikerinnen der 1910er bis 1980er dringend, wenn auch mit einer kleinen Einschränkung. Zunächst aber lernt der Kritiker dank der hervorragenden biografischen und wissenschaftlichen Einordnungen der Herausgeberinnen K. Lee Chichester und Brigitte Sölch zahlreiche Kunsthistorikerinnen und deren Bedeutung kennen. In den ausgewählten Texten der Forscherinnen erfährt er zudem, wie modern die Beiträge mit Blick auf die aktuelle Neuausrichtung der Kunstgeschichte oft ereits waren: Geforscht wurde zur Kunst des Islam, Textilkünsten, Foto und Film oder nationalsozialistischer Architektur. Wie politisch sich viele Autorinnen positionierten, aber auch wieviel günstiger die institutionellen Rahmenbedingungen für Wissenschaftlerinnen in den USA, in Indien oder der Türkei waren, erfährt Pfisterer hier ebenfalls. Allein mit der Auswahl wird der Kritiker nicht vollends glücklich: Jene Kunsthistorikerinnen, die vor allem zur europäischen Kunst oder zu theoretischen Fragestellungen forschten, vermisst er weitgehend.
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