Volker Zander (taz) taucht tief ein in das Gesamtwerk der Mathematikerin, Komponistin, Dichterin, Künstlerin und Musikerin Catherine Christer Hennix, der der Badische Kunstverein in Karlsruhe derzeit die Ausstellung "Cosmological Critque" widmet. Neben Einflüssen Lacans und des Sufismus erkennt Zander hier auch, wie früh der Transfeminismus im Werk der Künstlerin, die sich aber den 1990ern C.C. Hennix nannte, eine Rolle spielt: "Das erste C steht für ihren selbstgewählten Namen Catherine, das zweite C für ihren männlich gelesenen Geburtsnamen Christer. Diesem transfeministischen Komplex im Werk von Hennix sind die Kabinette des Kunstvereins gewidmet. Eine doppelte Schwingtür - die eine Seite rot, die andere blau - hängt zwischen den Kabinetten. Wer von der einen Seite zur nächsten will, kann zwischen einem roten, männlichen 'Hommes'-Flügel oder einem blauen, weiblichen 'Femmes'-Flügel wählen, oder auch beide gemeinsam aufschwingen lassen. An den Wänden verschlungene, ausladend große, wieder rot blau gefärbte Papierschleifen, unschwer als Kombinationen aus Möbiusschleife und Lacans Borromäischem Knoten zu erkennen."
Der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn will sich dezidiert an ein "nichtexklusives Publikum" richten - doch die Werkschau mit 45 Schautafeln mit Dokumenten, Zeichnungen und Fotos vergangener Installationen, die Philipp Meier (NZZ) im Bündner Kunstmuseum sieht, scheint das Gegenteil zu versprechen. Angelehnt an Aby Warburgs Bilderatlas einer "Kunstgeschichte ohne Worte" mit rund tausend Bilddokumenten zur Wirkung der Antike auf die abendländische Kunst blickt Hirschhorn hier auf sein "eigenes visuelles Universum" zurück: "So gilt eine Tafel dem temporären Denkmal, das Hirschhorn jüngst in Genf Simone Weil gesetzt hat. Die Dokumentation macht die von Hirschhorn eingerichtete Bastelstube unter der Kuppel des Pavillon Sicli von April bis Mitte Juni dieses Jahres nochmals erfahrbar. Von deren Wänden beobachtete die französische Philosophin mit ihrer unverkennbaren Nickelbrille auf Fotoporträts das bunte Treiben: Da fanden sich jeden Tag Menschen ein zum Kaffeetrinken, zum Schach- oder Theaterspielen und zum Diskutieren."
Simon Hantaï in seinem Atelier in Meun 1974. (Quelle: Archives Simon Hantaï, CC BY-SA 4.0) Ob Simon Hantaï (1922-2008) die "publikumswirksame Fokussierung" auf die Farben in seinem Werk gefallen hätte, wie es in einer Ausstellung im Museum Frieder Burda in Baden-Baden geschieht? Wohl eher nicht, glaubt Alexandra Wach in der FAZ, wenn sie bedenkt, dass der ungarisch-französische Maler den kommerziellen Kunstbetrieb ablehnte. Beeindruckend ist die Ausstellung aber allemal, versichert die Kritikerin, die sich fasziniert die frühe Serie "Mariales" anschaut, die Hantaï Mariengewändern auf berühmten Fresken nachempfunden hat. Es handelt sich bei den "blauen, roten oder goldenen Farbräumen auf die sakrale Bildtradition der Schutzmantelmadonna verweisenden Werken um erste Beispiele von Hantaïs legendärer Falttechnik (...). Spätestens seit 1960 war die Leinwand für ihn vor allem ein Textil, das auf dem Boden zerknüllt oder verschnürt werden konnte. Dann erst trug er Farbe auf die hervorstehenden Partien und die eingezogenen Bereiche auf. Nach der Entfaltung und Glättung der dreidimensionalen Objekte kamen auf den im letzten Schritt auf Keilrahmen gespannten Tüchern Muster weißer Flächen zum Vorschein. Sie erinnerten mal an geologische Brüche, mal an kristalline Blattformen, die sich fern des menschlichen Treibens in unendlicher Stille selbst genug waren."
Weiteres: In Monopolzeichnet Jens Hinrichsen Leben und Wirken der amerikanischen feministischen Künstlerin Nancy Spero (1926-2009) nach, die erst ab den 2000er Jahren von der breiten Öffentlichkeit gewürdigt wurde und am 24. August 100 Jahre alt geworden wäre.
Weitere Artikel: Ursula Scheer mokiert sich in der FAZ über den fragwürdigen Verkauf eines Werks des Malers Sacha Jafri, das im Jahr 2021 für 62 Millionen Dollar den Besitzer wechselte. Zumindest vermeintlich: Der "Käufer", der französisch-algerische Kryptounternehmer André Abdoune, hat bis heute nicht bezahlt - und folglich ist auch bei den Wohltätigkeitsorganisationen, an die der Kaufpreis weitergereicht werden sollte, bislang nichts angekommen. Maxi Gaiser besichtigt für monopol das schwimmende Kunstwerk "Treasure" von Michel de Broin im Waldsee Kohlengrube.
"Schön wie das zufällige Zusammentreffen eines Blumenkohls mit einem Atompilz in einem ehemaligen Pferdestall", freut sich FAZ-Kritiker Hendrik Hess mit einer Anspielung auf André Bretons berühmtes Zitat vom Regenschirm in der Ausstellung "Wechselwirkungen". Die Sammlung Scharf-Gerstenberg in Berlin zeigt dort Fotografien von Kai Bornhöft zusammen mit in Öl gemalten Gemüse-Stillleben von Frank Tornow. Das Ergebnis ist überraschend: "In Bornhöfts Fotografien, in denen die sinistre Stimmung erst durch mehrmaliges Umkopieren entsteht, scheint das Regellose im Schattendunkel nur zu warten. Die Interaktion mit Tornows reglosem Gemüse setzt dieses Untergründige und Verdrängte frei. Dass zwei Chicorée gespenstisch sein können, ergibt sich erst aus der Zusammenstellung einer Fotografie Bornhöfts aus der Serie 'ten'. Das wie durch zwei Fenster gleißende Licht des Abzugs gräbt sich in die Netzhaut des Betrachters und legt sich beim Blinzeln als positives Nachbild auf das Chicorée-Stillleben, dessen Gegenstände nun wie zwei Geister an die Wand gelehnt sind."
Weitere Artikel: Aus dem Regionalmuseum der sizilianischen Stadt Messina sind vier Gemälde von Antonello da Messina geraubt worden, berichtet Stefan Trinks in der FAZ. Lutz Henke schreibt im Tagesspiegel den Nachruf auf den Berliner Streetart-Fotografen Jürgen Große. Besprochen wird die Ausstellung "Das kalte Herz" im Kunstmuseum Stuttgart (taz) und die Ausstellung "Frida: The making of an Icon" in der Londoner Tate Modern (SZ).
Toshusai Sharaku: Der Kabuki-Schauspieler Iwai Hanshiro IV in der Rolle der Amme Shigenoi, 1794. Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Caterina Miksch.
Die Präzisionsarbeit japanischer Holzschnitte entdeckt neben erstaunlich vielen jungen Menschen im Dresdner Kupferstich-Kabinett auch FAZ-Kritiker Andreas Platthaus in in der Ausstellung "Japan auf Papier in Dresden - Utamaro, Hokusai, Hiroshige und die Grafik der Moderne". Dort wird seit den Zeiten August des Starken gesammelt, Anfang des 20. Jahrhundert wurde die Japan-Sammlung noch einmal bedeutend erweitert: "Damals bemühte man sich in Dresden auch schon um Blätter von Sharaku, jenem geheimnisvollen Künstler, der spät im achtzehnten Jahrhundert für eine ganz kurze Zeit Porträts von Kabuki-Schauspielern entworfen hatte, die schon seine eigenen Zeitgenossen gefesselt hatten: durch ungewöhnliche Nahsicht, aufwendigen Materialeinsatz (etwa beim Druck eingestreuten Metallstaub für Glimmereffekte) und tief empfundenes Verständnis für die Psychologie der dargestellten Theaterrollen." Seine Blätter waren so begehrt, dass sie oft gefälscht wurden. "Dresden kann ein echtes zeigen und eines, das jüngst als Holzschnitt identifiziert werden musste, der erst hundert Jahre später in betrügerischer Absicht hergestellt worden war und für die Forschung lange als ein Meisterblatt gegolten hatte."
Weiteres: In der italienischen Stadt Messina wird derzeit im großen Stil Kunst geklaut und, zumindest in Teilen, kurz darauf wieder in die Freiheit entlassen, wundert sich Ruth Lang Fuentes in der taz. Besprochen werden außerdem die Ausstellungen "Kunst gegen Rechts" in der Alten Feuerwache in Berlin (taz) und "DieWelt im Fokus" in der Albertina in Wien (monopol).
Im Schweizer Privatmuseum Susch von Grazyna Kulczyk ist derzeit eine Retrospektive der italienischen Künstlerin Mariuccia Secol zu sehen, die Christiane Meixner im Tagesspiegel wärmstens empfiehlt. Nach einer gewissen Resonanz in den Siebzigern wurde die heute 97-jährige Secol jahrzehntelang vom Kunstbetrieb ignoriert, ihr Brot verdiente sie mit Kunstkursen in einer psychiatrischen Klinik: Im Museum "wundert man sich über diese lange Unsichtbarkeit. Die Ausstellung 'Unraveling' zeigt Malerei, textile Wandarbeiten und Installationen neben Skulpturen wie 'Der Schrei (II Grido)' von 1971: drei voluminöse Bündel aus Kunststoff und farbigen Gummihandschuhen, die aussehen, als hätte man ein menschliches Wesen wie ein Schrottauto zusammengepresst. Brutal, willkürlich und mit dem Ziel, es mundtot zu machen. Dank seiner silbrig glänzenden Oberflächen wirkt das Trio zugleich absolut futuristisch. ... Ihre Kunst versteht Mariuccia Secol bis heute als politische Praxis, sie begleitete feministische Kampagnen wie 'Lohn für Hausarbeit', die 1970 von der Frauenbewegung Italiens initiiert wurde und sich gegen stereotype Rollenbilder richtete."
Alla Horskas Mosaik "Boryviter" (Turmfalke), 1967 in Mariupol geschaffen, vor und nach der russischen Invasion 2022. Fotos: Iwan Stanislawski. Unter CC-Lizenz
Jens Malling stellt in "Bilder und Zeiten" (FAZ) die auf der Krim geborene, mit 41 Jahren ermordete sowjetisch-dissidentische Mosaikkünstlerin Alla Horska (1929-1970) vor, deren Wandgemälde, inspiriert von der traditionellen ukrainischen Volkskunst, erst von den Sowjets und jetzt von russischen Besatzungstruppen auf der Krim zerstört wurden. Und der das National Center in Kiew gerade eine große Retrospektive widmet: "Zur aktuellen Wiederentdeckung von Horska in der Ukraine sagt die Kunsthistorikerin und Kuratorin Lizaveta German: 'Alla Horska stand an der Spitze einer Generation von Künstlern und Dissidenten, die wir Schistdesjatnyky - nach den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts - nennen. Damals fand ein nationales Erwachen statt: Man thematisierte, was es im damaligen sowjetischen Kontext bedeutete, Ukrainer zu sein.' Viel von dem, was die heutige Ukraine ausmacht, wurde von Intellektuellen, Künstlern und Menschenrechtlern dieser 'Sechzigergeneration' entwickelt. Horska gehörte zu dieser Bewegung, die eine kulturell autonome Ukraine anstrebte, sagt German."
Weitere Artikel: Stefan Trinks widmet sich in der FAZ der öffentlichen Restaurierung von Erhart Altdorfers Lübecker Magdalenenaltar, dessen renovierte Farben ihm einen neuen Blick auf die Auferstehung schenkt: kein leichenblasser Jesus mehr, sondern einer mit Apfelbäckchen. Und erst Maria Magdalena, deren 'Ganzkörper-Haargewand' nach der Reinigung offenbart, dass sie eine Blondine war: "Mit den Multi-Sanostol-Bäckchen strahlt nun eine pumperlgesunde Barbie im schnieken Eigenfellmantel aus dem Gehäuse. Kein Zufall ist es, wenn auf dem von Schneidern gestifteten Altar die Heilige selbst als Nackte eine edle Stola als elegantes Accessoire umweht." In "Bilder und Zeiten" (FAZ) erzählt Bernd Eilert, was Hitler unter Kunst verstand: Biedermeier. Hans-Christian Rößler besucht für die FAS das renovierte Gulbenkian-Museum in Lissabon.
Erst vergangenes Jahr wurden mehr als achtzig der zwischen 1939 und 1941 entstandenen surrealistischen Kunstwerke der irisch-britischen Schriftstellerin Iris Murdoch in ihrem ehemaligen Haus entdeckt - nun werden sie in der Bibliothek der Universität in Chichester ausgestellt, freut sich im Guardian Donna Ferguson, die von dem Entdecker der Bilder und Direktor des Iris Murdoch Research Centre an der University of Chichester, Miles Leeson erfährt, wie eng für Murdoch Literatur und Kunst zusammengehörten: "'Diese Gemälde entstanden während einer wirklich aufregenden Zeit in Oxford, als sie Mitglied der Kommunistischen Partei war, sich in der Studentenpolitik engagierte und bei der Studentenzeitung mitarbeitete … und natürlich waren es die ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs, was sich in den surrealistischen Landschaften widerspiegelt.' Die Gemälde, die offenbar von der Kunst Salvador Dalís und Pablo Picassos beeinflusst sind, vermittelten ein Gefühl von Verzweiflung, Angst und Zerstörung, fügte er hinzu. 'Man spürt den Zusammenbruch der Gesellschaft, das Zerfallen dessen, was das Ganze zusammenhält.'"
Weitere Artikel: Ästhetisch hat Lisa Berins in der FR gar nichts einzuwenden gegen Janet Echelmans Installation "A Sky Full of Hope" an der Konstablerwache in Frankfurt (unsere Resümees), aber dass nicht transparent kommuniziert wird, woher die 2,3 Millionen Euro stammen, die die Stadt für das Werk ausgegeben hat, hinterlässt bei ihr einen "fahlen Beigeschmack". Hannes Hintermeier berichtet in der FAZ, dass nur drei Wochen nach Eröffnung 210 der 230 im Salzburger Mirabellgarten aufgestellten güldenen Mozart-Skulpturen von Ottmar Hörl verschwunden sind.
Besprochen werden die bereits vergangenes Jahr in den Hamburger Deichtorhallen gezeigte Franz-Gertsch-Retrospektive "Blow up" im Kunstmuseum Bern (NZZ, mehr hier) und die Marcel-Duchamp-Ausstellung im New Yorker MoMA (Welt).
Im taz-Interview mit Radek Krolczyk erzählt die im Iran geborene Künstlerin Aynaz Najafi, deren Arbeiten aktuell in der Gruppenausstellung "Summer of a Revolution" im Kunstverein Ruhr ausgestellt werden, von Bedrohungen durch Regimeanhänger und sie erklärt, wie sie die Miniaturmalerei des 16. Jahrhunderts in die Gegenwart übersetzt: "Eines meiner frühen Bilder zeigt die Steinigung einer Frau. Ich habe Fotos gesehen, auf denen eine Frau, die vielleicht Ehebruch begangen hat, bis auf den Kopf eingegraben und dann von um sie herum stehenden Männern mit Steinen zu Tode beworfen wurde. Seit vierzig Jahren wird diese Strafe offiziell nicht mehr angewandt, man hat andere Mittel gefunden. Diese Fotos zu sehen, hat mir weh getan. Ich wollte die narrative Form der persischen Miniatur dazu verwenden, um vom Leiden, aber auch vom Kampf der iranischen Frauen zu erzählen. Meist habe ich zu dieser Zeit symbolisch verschlüsselte Szenen gemalt. Eine Frau, auf die ein Gewehr gerichtet ist, hätte ich nicht malen können. Die Kritik am patriarchalen Staat wäre eindeutig gewesen, und ich wäre möglicherweise verhaftet worden. Also musste ich mir etwas anderes einfallen lassen. So habe ich beispielsweise eine Frau gemalt, die über einer Flamme in kochendem Wasser saß."
Im Perlentaucher-Fotolot bespricht Peter Truschner das Fotobuch "Game of Chairs" des Fotografen Nikita Teryoshin, der schonungslos und mit perfidem Humor Parteitage ebenso ablichtet wie zuvor Waffenmessen: "Aus der Menge des unbedingt sehenswerten Fotomaterials ragen die Porträts von Friedrich Merz heraus, in denen man rückblickend schon den unpopulärsten Kanzler in der Geschichte der Bundesrepublik zu erkennen glaubt. Einmal steht er raumgreifend da, das Gesicht jedoch von einem großen Schatten verdeckt. Ein anderes Mal bildet, von weit unten aufgenommen, Merz' winziger Kopf den verschwindenden Endpunkt eines in die Länge gezogenen, weißen Stehpults, auf dem CDU steht - inzwischen eines der meist verbreiteten Fotos von Merz auf Social Media."
Weitere Artikel: Hendrik Hess (FAZ) resümiert die Eröffnung der umstrittenen Installation "A Sky Full of Hope" der Künstlerin Janet Echelman an der Konstablerwache in Frankfurt (unser Resümee).
Maria Clara Eimmart - Facie Solis. Quelle: SBB-PK, Kartenabteilung
Birgit Rauschert erinnert in der FAZ an die vergessene Nürnberger Künstlerin Maria Clara Eimmart (1667 bis 1707). Insbesondere in ihrer Heimatstadt erinnert praktisch nichts an ihr Werk, das teilweise andernorts, wie etwa in Sankt Petersburg, überliefert ist. Der Anlass für Rauscherts Text ist tagesaktuell: Eimmart hielt die Sonnenfinsternis vom 12. Mai 1706 bildlich fest - ihre lange verschollene Zeichnung ist nun in der Berliner Staatsbibliothek ausgegraben worden. Das Bild "zeigt die Sonnenfinsternis des Jahres 1706, bei der die Scheibe des Mondes zentral vor der Sonne steht und damit den Höhepunkt des Himmelsereignisses festhält. Der feurige Ring der 'Corona' lässt die Dunkelheit des Mondes umso stärker hervortreten. Den Hintergrund bildet ein tiefes Aquamarinblau, das an den Rändern des Blattes immer intensiver wird. (...) Die Preziose besitzt eine Sachlichkeit und Modernität, als habe Eimmart der naturwissenschaftlichen Zeichnung weniger einen künstlerischen als vielmehr einen mathematisch-abstrakten Charakter verleihen wollen."
Außerdem: Silke Hohmann ärgert sich auf monopol über die Netzskulptur der Künstlerin Janet Echelman, die in Frankfurt über der Konstablerwache aufgespannt wurde (unser Resümee). In der BlZ wiederum ärgert sich Ulrich Seidler darüber, dass der britische Staat ein Wandbild von Banksy auf Kosten der Steuerzahler entfernen lässt. In der FAZ gratuliert Freddy Langer dem Fotograf, Sammler und Kurator Wilhelm Schürmann zum Achtzigsten. Hans-Joachim Müller porträtiert in der Welt den Kunsthändler Michael Werner.
Besprochen werden die Schau "Everybody" im Berliner Georg-Kolbe-Museum (Tagesspiegel), die Ausstellung "Fiesta Mexikana", die die Dresdener Galerie Holger John dem deutsch-amerikanischen Künstler Oliver Estavillo widmet (BlZ) und zwei Filme von Mila Zhluktenko und Daniel Asadi Faezi, die in IBB-Videoraum der Berlinischen Galerie zu sehen sind (taz).
Shirana Shahbazi, Falling Sima 06, 2026, Lithografie auf Büttenpapier, 140 × 180 cm, Courtesy of the artist In einen Rausch aus Wasser, Licht und Farbe gerät NZZ-Kritiker Philipp Meier in der Ausstellung "All at Once" im Kunstmuseum Luzern, wo die Fotografien der iranischen Künstlerin Shirana Shahbazi zu sehen sind. Ein bisschen orientierungslos fühlt sich der Kritiker schon in diesem Gewimmel von kaleidoskopischen Farben, Licht-Installationen und Projektionen von Wasser an den Wänden, aber dann taucht er ein: "Nichts ist dabei gemalt, alles ist belichtetes Fotopapier. Shahbazi ist eine Künstlerin, die mit Licht malt, wie man es über Fotografen immer wieder sagt. Bewegt sind auch ihre irrlichternden Fotos ganz konkreter Art. Shahbazi fotografiert alles, was sie beschäftigt: Menschen, Tiere, Landschaften, Städte, Straßenzüge, Gebäude, Gegenstände, Blumen und Früchte. Letztgenannte streng zu Stillleben arrangiert, mit Totenköpfen als Memento mori im klassisch kunsthistorischen Sinn. Das alles wirkt zwar etwas beliebig. Die Gleichzeitigkeit von scheinbar Unvereinbarem aber: Auf diese lebendige Vielfalt einer unendlich aufgefächerten Welt zielt Shahbazis Schaffen. Das ist, was die Künstlerin interessiert, was sie einfangen und zeigen will in ihren Arbeiten."
Einem umstrittenen Frankfurter Kunstprojekt widmet sich Kathrin Wiesel-Lancé in der SZ: Über der Konstablerwache in Frankfurt, berüchtigter Umschlagplatz für Drogen und Kriminalität, hat die Künstlerin Janet Echelman eines ihrer riesigen farbigen Stahlnetze aufgehängt: "Seit Wochen ist die Installation Stadtgespräch, vor allem wegen der 2,3 Millionen Euro, die sie kostet. Kritiker aus der Frankfurter Kreativszene bemängeln, dass das Geld ohne öffentliche Ausschreibung vergeben wurde. Der Bund der Steuerzahler Hessen nennt die Kosten 'unverhältnismäßig und fragwürdig'. Die Linken-Fraktion im Römer kritisiert, dass die Ausgaben nicht dazu dienen, den Platz langfristig zu entsiegeln oder zu sanieren. Auch durch die sozialen Medien schwappt die Häme, ein Instagrammer macht sich lustig über das 'riesige Mandarinennetz' für zwei Millionen Euro. Der Titel 'A Sky Full of Hope' passe ja gut dazu, weil es über einem 'Square Full of Dope' hänge."
Außerdem: FAZ-Kritiker Peter Kropmanns bewundert im Louvre das aufwendig restaurierte Triptychon von Moulins, ein Meisterwerk der Spätgotik.
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