Bestellen Sie bei eichendorff21!In ihrem neuen Buch "Die Regierung der Maschinen" warnt die bekannte Historikerin Jill Lepore vor einem Regime der Tech-Bros (beziehungsweise der von ihnen ersonnenen Automaten). Die FAZ druckt im Wirtschaftsteil ein Kapitel vorab: "Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde die liberale Demokratie zum einen durch eine Rückkehr zur Autokratie ersetzt, eine große Kehrtwende in der Menschheitsgeschichte, und zum anderen durch einen weniger deutlich erkannten Aufstieg der Automatokratie, durch eine Herrschaft durch Automatisierung, ein Regieren und Verwalten durch von Maschinen besorgte Rechenvorgänge, Vorhersagen und Überredungsprozesse. Die Unternehmen, denen diese Maschinen gehörten, begannen sich den Staat einzuverleiben."
Die "neuen Länder" haben zwar weniger Einwohner als Nordrhein-Westfalen, aber "das, was jetzt im Osten geschieht, dominiert das Geschehen im Westen. Es ist die späte Rache jener Verlierer der Geschichte, die sich anpassen, belehren und übernehmen lassen mussten", diagnostiziert Simon Strauß in einem feierlichen Essay für die erste Seite des FAZ-Feuilletons. Er hat auch ein Rezept, um den deutschen Zwiespalt zu heilen: Es gehe "um neue Begriffe und Fahnenwörter. Um neue Anmutsvokale, die etwas von dem wecken können, das hinter der Wut und der Angst einzuschlafen droht: das Ehrgefühl des Zugehörigseins." Dieses neue "Fahnenwort" ist sehr alt: In der Berufung auf die Idee der "Republik" will Strauss einen neuen bürgerlichen Elan ins erschöpfte Gemeinwesen bringen. "Was wir aber wissen: Ein Wir ist immer Erwartung. Ist immer eine sich selbst nie ganz erfüllende Prophezeiung. Gerade deshalb müssen wir nach Worten suchen, die jetzt in diesem Augenblick der Zwietracht bindende Wirkung haben. Die Republik könnte so ein Brückenbegriff sein, auf den sich noch einmal ganz unterschiedliche Gesinnungen einigen. Weil in ihr sowohl linker wie rechter Sinn gesucht werden kann, weil sie Anstand und Inklusion, Ehrgefühl und Solidarität zugleich ausdrückt."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Ein Verbotsverfahren gegen die AfD hält die ehemalige Bundesverfassungsrichterin Gertrude Lübbe-Wolff im Interview mit Zeit online für wenig aussichtsreich und auch unklug: "In jedem Fall wäre ein Verfahren der Grundrechtsverwirkung gegen einzelne Akteure zielführender als ein Parteiverbotsverfahren. Es wäre weit weniger aufwendig, ginge deshalb schneller, die Erfolgsaussichten ließen sich viel leichter abschätzen, und es würde sich nicht gegen die Partei als solche richten, sondern Grenzen markieren, die man als Politiker dieser Partei nicht überschreiten kann, ohne die politische Karriere zu riskieren", meint sie. Wie in ihrem Buch "Braucht das Bundesverfassungsgericht (mehr) Reform?" diskutiert sie auch im Interview Reformmöglichkeiten, die sie vor allem bei der Wahl der Bundesverfassungsrichter sieht: So plädiert sie für "Ausschreibungen und eine damit verbundene Stärkung des Richterwahlausschusses", um den Einfluss der Parteien zu mindern. Zugleich findet sie, dass auch die AfD Kandidaten für das Bundesverfassungsgericht vorschlagen können sollte: "Die große politische Spaltungslinie verläuft nicht mehr wie früher zwischen Christdemokraten und Sozialdemokraten und ihren jeweiligen rechten und linken Nachbarschaften, sondern zwischen der AfD und allen anderen. Den Vertrauensverlust, der damit einhergeht, dass sich das bislang in der Besetzung des Bundesverfassungsgerichts überhaupt nicht widerspiegelt, halte ich für gefährlicher als die Präsenz des einen oder anderen von der AfD vorgeschlagenen Richters im Verfassungsgericht."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Die taz setzt ihre Reihe über Michel Foucault fort. René Aguigah, James-Baldwin-Biograf, geht im Geiste jene Orte durch, wo sich die beiden in Paris hätten begegnen können. Sie waren etwa gleich alt und verkehrten in den Pariser Schwulenbars - aber sie haben sich wohl nicht kennengelernt. Berührungspunkte aber gibt es in ihrem Werk: "Da ist vor allem die Sache mit der Macht. Je länger Baldwin über Black America und White Supremacy schreibt, desto deutlicher wird, dass seine Rassismuskritik eine Machtkritik betreibt, die die Macht wohl in Institutionen sieht, aber nicht dort fixiert; die sie noch in den feinsten zwischenmenschlichen Beziehungen aufspürt; eine Kritik, die die Macht als, im Prinzip, umkehrbar auffasst. All diese Punkte sind ein wesentlicher Teil davon, wie Foucault seine Vorstellung von Macht während der siebziger Jahre zu einer ganzen Analytik ausbaut. Das Gefängnis und die Polizei sind jene Institutionen, die Baldwin und Foucault jeder auf seine Weise analysieren und attackieren, mit Ausstrahlung bis heute."
Außerdem: In der Welt erklärt Angela Richter, warum Tech-Bros wie Peter Thiel den französischen Philosophen Rene Girard nicht missverstanden haben, sondern konsequent zu Ende denken. Girards Gedanken müssten also von links nicht verteidigt, sondern ein stärkerer Gedanke entgegengesetzt werden.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Donald Trump wird die Midterms verlieren, da ist sich die amerikanische Politologin Laura Field, die mit "Furious Minds - The Making of the Maga New Right" 2025 ein Buch über die Maga-Bewegung geschrieben hat, im Interview mit Zeit online ziemlich sicher. Aber für die Demokraten könnte das langfristig ein Problem sein, weil ihre Bereitschaft, sich mit ihren Mängeln auseinanderzusetzen, noch geringer wird: "Mainstream-Politiker wie auch ihre Wähler haben den Liberalismus so lange für selbstverständlich gehalten, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ihn zu artikulieren oder gar zu verteidigen. Die Linke muss ihre eigenen Prinzipien neu durchdringen." Das Problem, mit dem sich der Liberalismus auseinandersetzen müsste, beschreibt sie so: "Die Verfassungen moderner, liberaler Demokratien sind als Reaktion auf religiösen Fanatismus entstanden. Die Idee war, nicht auf die eine Lebensweise, das eine Tugendideal zu bestehen, und dadurch stabile gesellschaftliche Verhältnisse zu erwirken - Leo Strauss nennt diesen Ansatz 'ein niedriges, aber tragfähiges Fundament'. Dadurch ist die Trennung von Kirche und Staat entstanden, die Universitäten haben ihre Funktion als Orte moralischer Bildung eingebüßt, und die Politik hat sich aus dem Glauben der Leute herauszuhalten. Nur gibt dieser Liberalismus nun eben auch gar nichts mehr vor, der Pluralismus ist das Programm, und dadurch entsteht ein moralisches Vakuum."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Es braucht mehr als Wahlen für eine funktionierende Demokratie, meint im Interview mit Zeit online der belgische Historiker David Van Reybrouck, der dazu schon vor zehn Jahre ein Buch geschrieben hat: "Frühere demokratische Kulturen sind ohne freie und gleiche Wahlen groß" geworden. Und waren dabei auch nicht weniger repräsentativ als heute: "Jeder hat das Recht, zu wählen und zu kandidieren, aber in Wirklichkeit sind fast alle gewählten Parlamentarier in westlichen repräsentativen Demokratien akademische Diplomdemokraten. Die Mehrheiten Europas fühlen sich von ihnen nicht vertreten. Das bedeutet eine schwere Enttäuschung. Es ist kein Zufall, dass die Wahlen - elections - und die Eliten, die Auserwählten, die gleiche sprachliche Wurzel haben. Im demokratischen Athen war es ganz anders. Bürger wurden ausgelost, um gemeinsam wichtige Entscheidungen zu treffen. Leider genoss nur eine winzige männliche Elite Bürgerrechte, aber das Prinzip war gut. Aristoteles sagte schon: 'Es ist demokratisch, die Ämter durch Los zu besetzen, und oligarchisch, sie durch Wahlen zu besetzen.'"
Reybrouck hat deshalb ein Zwei-Kammern-System entwickelt, bei dem die eine Kammer gewählt wird und die andere sich durch ein Losverfahren zusammensetzt. In einem Teil Belgiens wird das Modell seit 2019 schon erfolgreich praktiziert. Mehr dazu beim IPG-Journal und hier:
Bestellen Sie bei eichendorff21!Justus Bender malt sich in seinem Buch "Deutschland 2033" eine Bundesrepublik unter einer Kanzlerin Alice Weidel aus. In dem Szenario geht Jens Spahn eine Rechtsaußen-Koalition ein, verlässt sie wieder, Hans-Georg Maaßen stellt Journalisten kalt und so weiter. Alan Posener liest das Buch für die Salonkolumnisten mit Interesse, stößt aber auf ein Detail, das ihn doch sehr stört, nämlich den Satz: "Die AfD bedroht Millionen von Menschen mit dem Entzug der Staatsbürgerschaft... Sie plant die 'Reconquista', wie Rechtsextreme das jahrelang genannt haben in Anlehnung an die Vertreibung von Muslimen in Spanien im 8. Jahrhundert." Kann man die "mühsame Zurückeroberung der iberischen Halbinsel" einfach so abtun, fragt sich Posener. Wie sähe eine Welt ohne "Reconquista" aus? "Columbus segelt 1492 nach Amerika, dem Jahr der Vollendung der Reconquista. Hätten muslimische Abenteurer den Weg gewagt? Vermutlich nicht. Also auch keine USA. Und: keine Reformation. Kein Luther, der der 25 Jahre nach Columbus dem Papst die Gefolgschaft aufkündigt, denn vermutlich: kein Papst. Keine Revolution des Individualismus, kein 'Geist des Protestantismus', der nach Max Weber so entscheidend war für die Entwicklung des Kapitalismus als Wirtschaftsform. Keine industrielle Revolution: denn die Dampfmaschine hätte tausend Jahre früher erfunden werden können - oder eben gar nicht."
Früher haben arabische Linke darauf hingearbeitet, das Paradies auf Erden so gut es geht durch ihre Politik herbeizuführen - heute biedern sie sich jenen Islamisten an, die ihre Anführer in Massen umgebracht haben, konstatiert Kamel Daoud in der Welt. "Die Ermordung der Kommunisten im Libanon war nur der Auftakt zu blutigen Säuberungsaktionen gegen linke Figuren, denen Atheismus und Westorientierung vorgeworfen wurden, wie in Algerien während des Bürgerkriegs der 1990er-Jahre, in Tunesien nach dem Arabischen Frühling, in Marokko und in Ägypten, wo Sadat die Muslimbrüder förderte, um ein Gegengewicht zu den Linken zu schaffen." Nach dem Arabischen Frühling 2010 kam dann der endgültige "Crash" der arabischen Linken. "Als Traum, den sie anbieten kann, bleibt ihr nur 'die Sache der Palästinenser', die ihr die Islamisten entrissen haben. Auf den Trümmern von Arafat, der PLO und anderen Varianten kam das von der Hamas erdachte Massaker vom 7. Oktober 2023. Es war der letzte Sargnagel dieser 'Linken' und ihrer Glückstheorie. Indem sie ihre Gewalt mit Frantz Fanon legitimierten und eine lange Zeit unterdrückte Judeophobie wiederbelebten, hat ein Teil dieser Linken die Hamas unterstützt, im Namen der Dekolonialisierung, des Antisemitismus und der Befreiung der heiligen Erde. Eine tragische Episode: zu sehen, wie diese Linke im Namen der gemeinsamen Front gegen den Feind jene verteidigte, die zuvor ihre Führer ermordet und sie auf den Straßen gejagt hatten."
Bestellen Sie bei eichendorff21!In einer Welt bevölkert von Chatbots, KI-Fakes und ständiger Reizüberflutung, verlernen wir das Zuhören, erklärt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen im FR-Interview. Das ist jedoch Grundlage für jede produktive Kommunikation. Wie hört man nun richtig zu? "Aus meiner Sicht gibt es zwei Formen des Zuhörens. Zum einen ein Zuhören mit dem Ich-Ohr egozentrischer Aufmerksamkeit, geleitet von der Frage, ob das, was der andere sagt, mit dem übereinstimmt, was ich ohnehin glaube. Hier sind die eigenen Filter, die eigenen großen und kleinen Ideologien ungeheuer mächtig. Zum anderen gibt es ein Zuhören mit dem Du-Ohr nicht-egozentrischer Aufmerksamkeit, regiert von einer ganz anderen Frage, nämlich: In welcher Welt ist das, was der andere sagt, wahr und wichtig? Hier erst wendet man sich dem anderen wirklich zu, geleitet von dem kategorischen Imperativ echten Zuhörens: 'Erkenne das andere in seiner Andersartigkeit, seiner Fremdheit, seiner Schönheit, seinem Schrecken.'"
In der Welt zeichnet der PolitikwissenschaftlerPeter R. Neumann die Entwicklung der Ideologie im Silicon Valley nach. Dort trafen ab den 80er-Jahren Ideen der 68er-Bewegung (Freiheit und Individuum) auf libertäre Ideen (Unternehmertum und Eigentum). Hinzu kam die Idee, "die Informationsrevolution werde wirtschaftliche Aktivität zunehmend von einem bestimmten Ort lösen. Damit gerate der Nationalstaat unter Druck, dessen Macht auf der Kontrolle eines Territoriums beruhe." All diese Entwicklungen kulminierten dann in Peter Thiels Aussage, dass Freiheit und Demokratie "nicht mehr kompatibel" seien. "Und so fügen sich die drei Elemente zu einem gemeinsamen Weltbild: die Verbindung von Gegenkultur und libertärem Kapitalismus; die Vorstellung einer technologischen Revolution, die den Nationalstaat zugunsten des 'souveränen Individuums' zurückdrängt; und schließlich die Idee, auch den Staat selbst nach unternehmerischen Prinzipien neu zu organisieren."
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Roger de Weck: Glanz und Elend der Konservativen Niemand kann Demokratie wirksamer verteidigen - oder aber massiver schwächen - als Konservative. Auf sie kommt es an. Ob Konrad Adenauer oder EU-Gründervater Jean Monnet:…
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Natalie Labarre: Penicillin und andere unglaubliche Missgeschicke, von denen du (wahrscheinlich) noch nie gehört hast Mit Illustrationen von Gosia Herba. Aus dem Englischen von Cyra Pfennings. Fehler machen? Unbedingt! Hast du deinen Pullover schon mal den ganzen Tag auf links getragen oder…
Julian Nicolai Hofmann (Hg.), Veith Selk (Hg.): Postliberalismus? Die Vorherrschaft des Liberalismus scheint ihrem Ende entgegenzugehen. Angesichts sich verschärfender geopolitischer Krisen und der beschleunigten Erosion liberaler Demokratien…
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