Efeu - Die Kulturrundschau
Fabelwesen auf spitzen Absätzen
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19.08.2026. Die FAZ begeistert sich in Kopenhagen für Sebastian Kloboks getanzte Hommage an das Radio. Der Tagesspiegel bejubelt die queeren und blutigen Exzesse in Jane Schoenbruns Horrorfilm "Teenage Sex and Death at Camp Miasma". Der Standard feiert das neue Album der Folksängerin Phoebe Bridgers, dessen schmeichelnde Klänge unbedarfte Hörer sirenengleich in den Tod locken. Die Welt ärgert sich über gedankenlos zeitgeistige Installationskunst im Bayreuther Richard-Wagner-Museum.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
19.08.2026
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Film

Andreas Busche ist im Tagesspiegel begeistert von Jane Schoenbruns queerer Meta-Slasher-Hommage "Teenage Sex and Death at Camp Miasma", in dem eine feministische Regisseurin, die als guilty pleasure eine Vorliebe für die oft bedenklichen Slasherfilmen der Achtziger pflegt, die Möglichkeit bekommt, ein solches Franchise wiederzuleben, das sie in subversiver Weise gesellschaftspolitisch auf den neuesten Stand bringen will - ebenso wie Schoenbrun selbst dies mit ihrem Meta-Film tut. "Die fantasmagorische Geschichte, in der sich Realität, Film-im-Film, absurde Blutexzesse und erotische Fantasien zunehmend vermischen, erzählt von der Utopie genderfluider Identitäten und sexueller Befreiung, ohne wieder bloß das Narrativ tragischer Queerness zu bedienen." Unter anderem geht es um "Fantasien, die sich mit der sexuellen Selbstermächtigung der GenZ eigentlich nicht vereinbaren lassen. Aber Begehren kennen keine Grenzen und keine Moral - solange beide Seiten ihre Zustimmung geben."
"Die Jouissance, der psychoanalytische Begriff für eine Lust, in der Genuss und Schmerz ineinander übergehen, steht im Zentrum des Films", verrät Schoenbrun im taz-Gespräch mit Thomas Abeltshauser: "Lust und Tod sind miteinander verflochten, ebenso die konstruktive und die zerstörerische Kraft des Orgasmus. (...) In Slasherfiguren wird eine Menge seltsamer, allegorischer, psychosexueller Scheiß verarbeitet: im Killer, im Opfer, im Final Girl. Ich wollte diese Tropen queeren. Den Slasherkiller sowohl zum Instrument des Begehrens als auch zum Mittel zu machen, den Höhepunkt zu erreichen, erschien mir als der richtige Weg." Im Perlentaucher bespricht Stefanie Diekmann den Film ambivalent, endet aber auf einer positiven Note: "Think Pink: Wer begehrt und nach Wunscherfüllung strebt, sollte sich besser nicht zu sehr fürchten. Zumal der kleine Tod, der in der Tiefe des Sees wohnt, früher oder später zurückkehren wird."
Ausgerechnet bei der Constantin, Deutschlands verlässlichster Filmproduktionsgesellschaft für relativ große Produktionen und Kassenhits, mehren sich beträchtliche Krisenanzeichen, berichtet Hanns-Georg Rodek in der Welt: Nicht nur wurde die als teure Prestige-Produktion konzipierte Serienadaption von "Die Päpstin" kurz vor Drehbeginn abgeblasen, auch ihre Finanzkonstruktion über eine finanziell gerade schwer angeschlagene Schweizer Medienholding Highlight belastet die Constantin gerade sehr. Zwar hat sich die Constantin stets bemüht, in Sachen Finanzierung eine Brandmauer zur Highlight aufrechtzuerhalten, unabhängig zu bleiben. Allerdings ist die Bayerische Landesbank als ein regelmäßiger Constantin-Finanzier ausgestiegen, über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise hat es mit den russischen Verbindungen der Highlight zu tun. ... Sollte die Refinanzierung der Highlight scheitern, könnte die Constantin an das Bankenkonsortium fallen, das dann versuchen würde, die Münchener möglichst teuer zu verkaufen."
Die FAZ lässt nochmal über Christopher Nolans an der Kinokasse weiterhin sehr erfolgreiche "Odyssee" diskutieren. Dass Nolan bei Odysseus "die äußere Gerissenheit durch eine innere Zerrissenheit ersetzt", passt gut "in unsere Zeit", findet Jannis Koltermann, "denn an der Beherrschbarkeit der Welt sind uns längst Zweifel gekommen. Während in den Kinos die 'Odyssee' läuft, ist der Sommer draußen außer Rand und Band und die regelbasierte Ordnung kaum mehr eine Chimäre." Wie Odysseus "erleben wir einen Kontrollverlust aus eigenem Versagen. Dieser Odysseus sind wir." Andreas Kilb freut derweil, wie der Film und dessen Erfolg dem Gegenwartskino trotzt, das Comic- und andere Franchises dominieren: In der "Verwandlung von realen Schauplätzen in Seelenlandschaften steht Nolans 'Odyssee' im Hollywoodkino der vergangenen Jahre tatsächlich allein da. Sie trotzt der Tendenz zur Veräußerlichung, die in den immer wieder neu recycelten Stoffen des Marvel-Comic-Universums" zu finden ist, "und sie befreit sich - und uns - aus der visuellen Zwangsjacke der Fantasy-Serienwelten."
Weiteres: Irene Genhart resümiert im Filmdienst das Filmfestival Locarno. Kauft DVDs, rät Valérie Catil in einer taz-Glosse angesichts dessen, dass digitale Plattformen mittlerweile nicht nur Filme aus dem allgemeinen Streamingangebot nehmen, sondern auch einst zum vollen Preis gekaufte Filme aus den Sammlungen der Nutzer löschen. Besprochen werden David Schalkos Serie "Braunschlag 1986" (ZeitOnline), Saša Vajdas "The Lights, They Fall" (taz), Lars Jessens "Spaziergang nach Syrakus" mit Charly Hübner (Welt, FAZ), Annekatrin Hendels Dokumentarfilm "Hiddensee" (SZ) und Louis Leterriers auf Netflix gezeigter Thriller "The Last House" (SZ).
Bühne

Elena Philipp fühlt sich laut ihrem nachtkritik-Bericht wohl auf dem Valmiera Summer Theater Festival, einem lettischen Kleinstadt-Theaterfestival. Hier präsentiert sich eine selbstbewusste Theaterszene, die ästhetisch auf der Höhe der Zeit ist und sich durch eine erstaunliche Vielfalt auszeichnet, schwärmt sie. "Alleinstellungsmerkmal des Festivals sind die Spielorte in der ganzen Stadt. Für 'Fracture' von Rihards Zelezņevs, eine Stückentwicklung über Körper und ihre Fragilität, eignen sich die gelernten Puppenspieler Sandija Dovgāne, Rūdolfs Apse und Matīss Millers die zentrale Halle eines verfallenden Schlachthof-Gebäudes an. Das Jugendstück 'Pīķa Dāma, parādies!' ('Pik Dame, erscheine!') findet auf der Wiese zwischen zwei Scheunen statt, die herumliegenden Werkzeuge und Schrottteile werden zu Requisiten. Äxte, Hämmer, Metallstangen kommen zur Anwendung: Schließlich gilt es, den schwer vermummten Geist der Pik Dame abzuwehren (...)."
Weiteres: Das Fachmagazin Tanz hat, wie unter anderem der Tagesspiegel durchgibt, das Berliner Staatsballett zum besten Tanztheater des Jahres gewählt. Auch Kate Wagner zeigt sich in van ziemlich entsetzt über den Bayreuther KI-Ring (siehe u.a. hier): "Das Ergebnis ist ohne Zweifel die schlimmste ästhetische Erfahrung, die ich in meinem bisherigen Leben machen musste." Jakob Hayner besucht für die Welt zwei Vorführungen bei den Salzburger Festspielen: Mit dem Molière-Rap-Experiment "Der Menschenfeind", inszeniert von Jette Steckel, kann er wenig anfangen, mit dem Jelinek-KI-Experiment "Unter Tieren", inszeniert von Nicolas Steckmann, umso mehr. Besprochen wird außerdem Thomas Matschoss' Stück "Das größte Lachen oder die Mathematik der Komik" in der Aufführung des Jahrmarkttheaters Bostelwiebeck (taz).
Literatur
In europäischen Bibliotheken - darunter auch die Staatsbibliothek in Berlin - werden mit aufwändigen Täuschungsmanövern Erstausgaben russischer Klassiker gestohlen, berichtet Nikolas Ender in der FAZ: Die Diebe geben sich als Wissenschaftler aus, erstellen Faksimilies und tauschen diese dann aus - offenbar steckt ein größerer Täterkreis hinter den Beutezügen. Aber wozu? "Für mich sieht es nicht so aus, als wäre es ein staatlicher Auftrag gewesen, spezifische Werke für eine russische Bibliothek zusammenzutragen", zitiert Ender den in Münster lehrenden Slawisten Valentin Peschanskyi. Der Historiker Hieronim Grala von der Universität Warschau jedoch "verweist auf das russische Auktionshaus Litfond, wo Bücher mit Bibliotheksstempel der Warschauer Universität verkauft worden sein sollen, darunter ein Werk, das für 30.500 Euro veräußert wurde. Auch Europol bestätigte nach der Ergreifung von Tätern im Jahr 2024, dass einige der Bücher in russischen Auktionshäusern in St. Petersburg und Moskau versteigert wurden. Kriminalkommissar Allonge schließt eine Verwicklung Russlands bei solchen Fällen nicht grundsätzlich aus."
Außerdem: In der FAZ trauert Andreas Rossmann um die einst in Palermo angesiedelte Buchhandlung Flaccovio. Besprochen werden unter anderem Norbert Scheuers "Holunderholz" (FAZ), Emma Clines "In die Schweiz" (NZZ), eine Prachtausgabe der gesammelten "Star Wars"-Comics aus den späten Siebziger (Welt) und Clemens J. Setz' Erzählband "Mein Leben als Noiseband" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Außerdem: In der FAZ trauert Andreas Rossmann um die einst in Palermo angesiedelte Buchhandlung Flaccovio. Besprochen werden unter anderem Norbert Scheuers "Holunderholz" (FAZ), Emma Clines "In die Schweiz" (NZZ), eine Prachtausgabe der gesammelten "Star Wars"-Comics aus den späten Siebziger (Welt) und Clemens J. Setz' Erzählband "Mein Leben als Noiseband" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Kunst

In Bayreuth begehen nicht nur die Festspiele dieses Jahr ein Jubiläum; auch das Richard-Wagner-Museum in der Villa Wahnfried, wo Wagner einst höchstpersönlich lebte, feiert einen runden Geburtstag. Zum 50. präsentiert das Haus eine Reihe von Installationen - die Welt-Kritiker Tilman Krause gehörig auf den Keks gehen. Arbeiten von, unter anderen, Felix Burger und dem Kollektiv Sounding Situations findet er beliebig, sie verbinden das Werk mal mit diesem, mal mit jenem, im Fall von Sounding Situations gar mit der russischen Söldnergruppe Wagner. Krause zürnt: "Merken die Installationskünstler, merken die Leute vom Richard-Wagner-Museum nicht, dass hier ein keinerlei Erkenntnisgewinn zutage fördernder Wagner-Ausverkauf stattfindet? Eine Usurpation der 'Marke' Wagner, die für alle möglichen Übel auf der Welt herangezogen wird, die er nicht nur nicht kannte, sondern die er, der ja ein intelligenter Mann war, aller Wahrscheinlichkeit nach genauso verurteilt hätte wie wir? Die leerlaufende Routine dessen, was man heute unter der aussagelos gewordenen Floskel 'kritische Auseinandersetzung' subsumiert, feiert jedenfalls beim Museums-Jubiläum Triumphe, wie man sie so sinnfrei lange nicht erlebt hat."
Weitere Artikel: Ursula Scheer mokiert sich in der FAZ über den fragwürdigen Verkauf eines Werks des Malers Sacha Jafri, das im Jahr 2021 für 62 Millionen Dollar den Besitzer wechselte. Zumindest vermeintlich: Der "Käufer", der französisch-algerische Kryptounternehmer André Abdoune, hat bis heute nicht bezahlt - und folglich ist auch bei den Wohltätigkeitsorganisationen, an die der Kaufpreis weitergereicht werden sollte, bislang nichts angekommen. Maxi Gaiser besichtigt für monopol das schwimmende Kunstwerk "Treasure" von Michel de Broin im Waldsee Kohlengrube.
Musik
Phoebe Bridgers' neues Album "Lost Weekend", auf dem die us-amerikanische Folksängerin den Tod ihres Vaters verarbeitet, ist nicht nur ihr bestes, sondern "vielleicht sogar das Beste des Jahres", glaubt Leon Frei in der SZ: "Ihre Emo-Songs mit Gitarren, Mandolinen, Banjos, manchmal lauten Drums, Streichern und Bläsern haben die erstaunliche Fähigkeit, immer dorthin zu treffen, wo Melancholie seit Jugendtagen schlummert." Auch zu hören gibt es Spitzen gegen Bridgers' Ex-Freund, den Schauspieler Paul Mescal, schreibt Christian Schachinger im Standard: Diese kleidet Bridgers zwar in "Folkgitarrengezupfe und Klaviergetupfe", doch "locken im Hintergrund die Sirenen mit Gänsehaut erzeugendem Chorgesang nicht nur naive Seeleute in der Odyssee in den Tod, sondern auch unbedarfte Hörer".
Außerdem: Max Nyffeler berichtet in der FAZ vom Lucerne Festival. Dennis Sand erzählt in der Welt die wechselhafte Geschichte der Band The Calling, die in den Nullerjahren reüssierte, dann aber rasch in der Versenkung verschwand und nun ein Comeback hinlegt. Die Agenturen melden, dass ZZ-Top-Schlagzeuger Frank Beard gestorben ist. Besprochen werden Nia Archives' neues Album "Emotional Junglist" (FR), Tyler Ballgames Auftritt in Frankfurt (FR) und das Album "After Completing the Hex" des Kölner Produzenten Barnt (taz).
Außerdem: Max Nyffeler berichtet in der FAZ vom Lucerne Festival. Dennis Sand erzählt in der Welt die wechselhafte Geschichte der Band The Calling, die in den Nullerjahren reüssierte, dann aber rasch in der Versenkung verschwand und nun ein Comeback hinlegt. Die Agenturen melden, dass ZZ-Top-Schlagzeuger Frank Beard gestorben ist. Besprochen werden Nia Archives' neues Album "Emotional Junglist" (FR), Tyler Ballgames Auftritt in Frankfurt (FR) und das Album "After Completing the Hex" des Kölner Produzenten Barnt (taz).
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